Schiff ahoi! Ein Tag als Kapitän am Wolfgangsee

Michael Eisl arbeitet dort, wo andere urlauben.

Wenn das Schiffshorn über den Wolfgangsee dröhnt, zieht Kapitän Michael Eisl alle Blicke auf sich. So manchen Schwimmer amüsiert das „Hupen“ – für Eisl ist die Sache weniger lustig: „Das ist ein Warnsignal. Vor allem die Urlauber mit den Mietbooten fahren kreuz und quer über den See, da muss man aufpassen“, erklärt er. An heißen Tagen ist nämlich ganz schön viel Verkehr am Wolfgangsee. Obwohl die Schiffe der Wolfgangsee-Schifffahrt nur maximal 18 km/h fahren, wiegen sie stolze 100 bis 120 Tonnen. „Der Bremsweg umfasst drei bis vier Schiffslängen“, sagt Eisl.

Michael Eisl ist seit 1986 bei den Schafbergbahnen. 2008 machte er die Ausbildung zum Kapitän und fährt seitdem abwechselnd mit der Zahnradbahn auf den Schafberg und mit dem Schiff quer über den Wolfgangsee. Für ihn ist das ein Traumberuf: „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Fad wird mir nie“, sagt er und lenkt das Schiff namens „Österreich“ in Richtung Strobl.

Das „Cockpit“ von Kapitän Eisl.

Sein heutiges „Büro“ könnte aufregender nicht sein: Ein Panoramablick über den See, drei Steuerräder, ein Radar, ein Kompass und unzählige Knöpfe. Aber braucht man die alle? „Es ist gut, wenn sie da sind“, lacht Eisl. „Aber es ist noch besser, wenn man sie nicht braucht.“ Die Wolfgangseeschiffe fahren bei fast jedem Wetter – eine Sturmböe kann dann speziell beim Anlegen zur Herausforderung werden. Tragische Unfälle hatte Eisl bis jetzt aber noch nie: „Zum Glück, denn die Sicherheit der Passagiere steht immer an erster Stelle.“

Im Fall der Fälle würde Eisl sein Schiff natürlich als letzter verlassen – wie es sich für einen Kapitän gehört. Soweit wolle er es aber nie kommen lassen. Bei ex-tremen Wetterverhältnissen bleiben die Schiffe im Hafen. Auch Seemonster seien am Wolfgangsee keine Gefahr: „Ich habe bis jetzt keines gesehen. Dafür gibt es riesige Hechte. Vor denen kannst du dich auch ganz schön fürchten“, erzählt er lachend.

Ob am Schiff oder in der Schafbergbahn – der Job von Michael Eisl bietet jeden Tag eine einmalige Kulisse. An Bord ist er sein eigener Herr: „Das Faszinierende für mich ist, dass ich mit dem kleinen Finger so ein riesiges Transportmittel bewegen kann. Ich muss nur ganz leicht am Steuerrad drehen und das Ding macht, was ich will. Das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl.“

Tourismus verändert die Orte

In den Sommermonaten ist der Wolfgangsee ein Urlauber-Hotspot. Das hat sich freilich auch auf die Umgebung ausgewirkt. Als gebürtiger St.-Wolfganger kennt Michael Eisl die Entwicklungen gut: „Der Ort hat sich extrem verändert. Aber wir leben hier vom Tourismus.“

Das Schiff nimmt Kurs Richtung Sankt Gilgen, als es leise und vorsichtig an der Tür zur Kommandobrücke klopft. Der kleine Mateo steckt schüchtern den Kopf herein. Hinter ihm sein Papa, genauso neugierig wie der Sohnemann. Michael Eisl drückt ein Auge zu und lässt die beiden eine Runde durch sein „Cockpit“ drehen. „Das sind die Momente, in denen mir der Beruf am meisten taugt“, sagt er und steuert auf die nächste Anlegestelle zu.

Von Katharina Maier und Viktoria Schwaiger

Am Wolfgangsee mit Blick Richtung St. Gilgen.