Leben auf 27 Quadratmetern

Wie eine Flachgauerin ihre Antwort auf  steigende Wohnpreise lebt. Und wie man auf kleinem Raum wunderbar leben kann.

Einfamilienhäuser, Bauernhöfe, Einfamilienhäuser, sie prägen das Bild der kleinen Gemeinde Schleedorf. Seit eineinhalb Jahren fällt hier ein Wohnhaus der anderen Art auf. Es ist das „Tiny House“ (Mikrohaus), der Grafikerin und Raumdesignerin Simone Kamleitner (siehe Bild). Die Wohnfläche misst nur 27 Quadratmeter.

Blickfang zwischen Landhäusern und Wiese: Simone Kamleitners „Tiny House“. Drinnen vier Einheiten auf 27 Quadratmetern, draußen eine überdachte Terrasse mit 25 Quadratmetern.

Das Mikrohaus besteht aus einem „Lebensraum“ zum Kochen und Essen (15 m2), einem Wohn- und Arbeitszimmer (6 m2), einer Schlafkoje (4 m2) und Bad/WC (2,5 m2). Dabei sind die Innenräume geschmackvoll, mit qualitativem Interieur und vor allem clever eingerichtet. „Du musst jede Möglichkeit für Stauraum nutzen und  ruhige Farben aussuchen, sonst erschlägt es dich auf so kleinem Raum“, erklärt die Raumdesignerin.

Thermomix und Wäschetrockner adé

Ihre Küche, ihre Sitzecke sind in dezentem Beige gehalten und sogar der Kleiderschrank folgt einem Farbkonzept (siehe Infobox). „Früher hatte ich zweieinhalb Kleiderschränke“, schmunzelt die 1,83 Meter große Frau in ihrem kleinen Haus. Die brauche es ja gar nicht, meint sie heute. Genauso wenig wie Wäschetrockner oder angesagte Küchengeräte wie Thermomix, für die im Tiny House nun wirklich kein Platz ist. Den bietet dafür die 25 Quadratmeter große, überdachte Holzterrasse samt Schaukel und Blick in die Bergwelt und  Steingarten mit Gemüsebeeten voll Mangold, Tomaten, Kopfsalat.

Ein schwieriger Arbeitstag lieferte den Anstoß

„Das reicht zum Leben“, ist die 44-Jährige überzeugt. Sie hat mit ihrem Haus die Antwort auf eine Frage gefunden, die ihr einst durch den Kopf ging. Es war ein Tag, an dem in ihrem Job etwas schief lief und sie mit einem Mal ihr Lebenskonzept überdachte. „Geht es nicht mit weniger? Weniger Kosten, weniger Aufwand, weniger Sachen“, fragte sich Kamleitner.

Kreditrate niedriger als Miete

Ja, es geht, weiß sie heute. „Obwohl ich zur Gänze mit Kredit finanziert habe, ist meine Rückzahlungsrate niedriger als damals meine Miete für ein Reihenhaus“, strahlt die Hausbauerin. Und irgendwann kann sie das Häuschen sogar ihr Eigen nennen.

Jetzt will Simone Kamleitner mit Tiny Houses auf den Markt gehen. Gemeinsam mit dem Holzbauunternehmen Wunsch  aus St. Johann am Walde (OÖ) bietet sie Konzepte für Mikrohäuser in verschiedenen Größen für Einzelpersonen und Paare an.

Grafikerin bringt nun „Tiny Houses“ auf den Markt

Bei 40 Quadratmetern kann man mit einem Preis von rund 110.000 Euro rechnen. Kamleitner gestaltet dabei die Räume (und Gärten/Terrassen) so, dass es für die  Bewohner individuell genau passen soll. Interesse zeigen bereits Seniorenpaare, die sich kein großes Haus und Garten mehr „antun“ wollen sowie Frauen und Männer nach Scheidungen.

Tipps zum Wohnen auf kleinem Raum
  • Kleiderfarbkonzept „Capsule Wardrobe“: In den Kleiderschrank kommt nur, was miteinander harmoniert (viel Einfärbiges). „Das befreit!“, so Simone Kamleitner.
  • Haushaltsgeräte ausmisten: Jene, die man
    ein Jahr lang nicht braucht oder nur ein Mal jährlich benutzt, nicht kaufen, sondern ausleihen.
  • Möbel so konstruieren, dass Stauraum entsteht (unterm Bett, unter der Sitzbank etc.).
  • Aufeinander abgestimmte, ruhige Farben wie Beige für Böden, Wände und Möbel wählen.
„Open House“ am 2. September

Am „Open House“-Tag am 2. September 2017 können  sich Kaufinteressierte selbst ein Bild vom Tiny House machen. Anmeldung erforderlich unter: simone@dimenso.at

Von Sabine Tschalyj