Die Stiegl-Pferde: Und täglich trabt das Bier

So viel Zeit muss sein. Stiegl liefert noch mit Kutsche.

Tagein, tagaus kutschiert Herbert Schröder ein Stück Salzburger Stolz durch die Stadt. Mit seinen beiden Pferden beliefert er die Gastronomen rund um die Stieglbrauerei mit Bier – und das aus tiefster Leidenschaft. Die Liebe zu den Pferden sei sogar größer als die Liebe zum Bier, erklärt er: „Ich muss sagen, ich habe schon einen Vogel. Wenn ich in der Arbeit mit den Pferden fertig bin, gehe ich heim und mache dort weiter.“ Auch privat dreht sich bei Schröder alles um die Rösser: „Ich bin damit aufgewachsen.“ Mit dem ersten Geld habe er sich kein Auto, sondern ein Pferd gekauft.

Zunächst arbeitete Schröder als Tischler, später als Baggerfahrer. Als die Stieglbrauerei einen Kutscher suchte, zögerte er keine Sekunde: „Die haben gehört, dass in Wals ein Rossnarrischer herumrennt. So bin ich zu meinem Job gekommen.“ Das war vor 28 Jahren. Seitdem fährt er mit seinem „achtfachen Allrad“ bei Wind und Wetter durch Maxglan, Taxham und bis Wals.

Stiegl ist die letzte Brauerei, die mit Pferden ausliefert. Früher tummelten sich 26 Gespanne im Innenhof der Rochuskaserne. Als auf Lkw-Betrieb umgestellt wurde, wollte das Unternehmen aber nicht ganz auf die Kutschen verzichten. Mittlerweile sind die Stiegl-Pferde Tradition – und unumstritten. Vier Tigernoriker – Lenz, Lord, Remus und Prinz – leben bei Stiegl und werden von Herbert Schröder und seinem Kollegen Johann Brunnauer ausgebildet, gepflegt und eingespannt. Eine reine Männerrunde also. Sind Hengste gefügiger als Stuten? „Nein, nein“, lacht Schröder. „Aber sie sind imposanter.“

Ein normaler Arbeitstag beginnt um 6 Uhr. Zuerst macht Schröder, was er um 5 Uhr bei seinen eigenen Pferden Zuhause gemacht hat: Sie werden gefüttert, geputzt, der Stall wird ausgemistet und dann wird das Bier ausgefahren. Schröder liebt all das, „einen Bürojob würde ich nicht aushalten“, sagt der 58-Jährige.

Inmitten der Hektik braucht es Mut zur Langsamkeit

Stressen lassen darf sich Herbert Schröder nicht – vor allem nicht vom Verkehr. Naturgemäß nervt die Kutsche den einen oder anderen Autofahrer, das Verständnis sei aber groß, sagt er: „Natürlich wird geschimpft, aber da bekommt man mit der Zeit eine dicke Haut.“

Die Stiegl-Pferde seien ein Zeichen für Entschleunigung: „Man muss heutzutage Mut zur Langsamkeit haben. Ein gutes Bier braucht seine Zeit und die nehmen wir uns.“ Unfälle hatte er noch keine, die Noriker seien von Natur aus ruhige Wesen. „Lenz und Lord gehorchen mir aufs Wort. Da brauche ich die Peitsche selten“, sagt Schröder.

Die emotionale Bindung zwischen ihm und den Pferden ist eine ganz Besondere: „Wenn ich in der Früh grantig in den Stall komme, merken die Tiere das und verhalten sich anders. Die halten dir einen Spiegel vor.“ Der morgendliche Grant sei bei Schröder aber die Ausnahme, denn wenn es um die Pferde geht, scheut er keine Mühen. Wird eines seiner Rösser krank, bleibt er auch mal über die Nacht bei ihnen im Stall.

Von Katharina Maier