So stoppt man Mobbing

Ein Anti-Mobbing-Kurs des Friedensbüros Salzburg steht hoch im Kurs.  Die Fäden zieht der Klassenlehrer.

„In der Schule hast du fast keine Chance, dass du rauskommst.“ So erklärt Martina Rumpl vom Friedensbüro Salzburg, warum Mobbing vor allem in  Schulen passiert. Den Sportverein kann man  leicht wechseln, wenn Gleichaltrige  einen Einzelnen schikanieren, nicht aber die Schule. Doch  Lehrern fehlt das Handwerkszeug, um Mobbing zu stoppen.

Mobbing setzt Schülern zu und stört Unterricht

„Oft übernimmt bei Schülerkonflikten ein Außenstehender das Ruder, doch die  Lösung passt   für das Kind nicht“, sagt eine Lehrerin aus dem Tennengau, die kürzlich einen Anti-Mobbing-Workshop des Friedensbüros besucht hat. „Ich will in der Schule die Ansprechpartnerin für Klassenlehrer sein“, so die 30-Jährige. Mobbing setze Schülern zu und störe den Unterricht. „Nur wenn das Klassenklima  gut ist, kann ich den Stoff vermitteln.“ Den seit Monaten ausgebuchten Workshop haben neben der Lehrerin auch Direktorinnen und Polizisten  besucht. Es ist ein bei uns weitgehend unbekannter Ansatz, den Martina Rumpl und Barbara Wick  vermitteln: Der „No Blame Approach“, der Mobbing schnell und nachhaltig stoppen soll.

Plötzlich bröckelt das Mobbing-System

Die Schritte sind einfach: Sobald Eltern oder Lehrer bemerken, dass sich ein Schüler in der Pause nur noch vor dem Lehrerzimmer aufhält oder oft krank ist, suchen sie das Gespräch mit dem Schüler, im Idealfall der Klassenvorstand. „Er zieht die Fäden“, so Barbara Wick. In Schritt zwei bildet er eine Gruppe aus sechs bis acht Schülern: jene, die beleidigen oder Gerüchte streuen, jene, die anstiften oder scheinbar nur zusehen. Der Lehrer fordert die Gruppe auf, Vorschläge zu machen, wie man den gemobbten Schüler wieder in die Schule bringen kann. Keiner verliert das Gesicht. „Da bröckeln plötzlich Koalitionen unter den  Schülern und man sucht gemeinsam Vorschläge“, beschreibt Martina Rumpl, wie schnell sich Schüler „umdrehen“ können.  Alle spielten eine Rolle, das werde ganz oft in Schulen übersehen. Und Mobbing werde noch immer unterschätzt. Wick: „Dabei rufen bei uns fast täglich Leute wegen Mobbing an.“

Erste Fälle in Salzburg bereits gelöst

In Salzburger Schulen konnten  seit dem Start der Workshops im Jänner bereits die ersten Mobbingfälle beendet werden. Die  Initiatoren des „No Blame Approach“ sprechen von einer Erfolgsrate von 87 Prozent. Rumpl hat noch einen Wunsch: „Schön wäre, wenn  wie in Wien die Krankenkasse diese Fortbildung zahlen würde.“

Info: Im Herbst veranstaltet das Friedensbüro zwei weitere Anti-Mobbing-Workshops zum „No-Blame-Approach“. 2018 sind weitere Termine geplant.

Sabine Tschalyj