Reparieren statt Wegwerfen liegt auch in Salzburg im Trend

 Immer mehr Salzburger lehnen das Wegwerfen ab. Reparaturbetriebe haben alle Hände voll zu tun.

 Kurz nach Ablauf der Garantie ächzt der Staubsauger nur noch müde und der Drucker spuckt plötzlich kein Blatt mehr aus. So ein Zufall?! Die Schwemme an billigen Haushalts- und Elektrogeräten bringt vor allem eins:  enormen Ressourcenverbrauch, immer mehr Elektroschrott auf den Müllbergen und Ärger unter den Konsumenten.

Die Krux beschreibt Regine Zeppel vom Kleinbetrieb Elektro Serviceteam in Salzburg: „Wir müssen immer wieder Kunden mit defekten Billiggeräten abweisen. Die Ersatzteile sind schwer zu bekommen und sehr teuer. Kommt dann noch die Arbeitsstunde mit gut 60 Euro dazu, rechnet sich die Reparatur nicht.“ Da bekomme man locker ein neues Billiggerät. Oft lassen sich Haushalts- und Elektrogeräte gar nicht mehr öffnen, so die Erfahrung im Reparaturbetrieb. „Was früher geschraubt war, ist heute gepresst und bricht beim Öffnen.“

Eingebaute Schwachstellen: Beweis ist äußerst schwierig

Damit ersparten sich die Produzenten Zeit und Geld, bestätigt Hans Holzinger von der Salzburger Robert-Jungk-Bibiliothek für Zukunftsfragen. Auch würden viele Produzenten ihre Absätze dadurch steigern, dass sie ein schnelleres Ablaufdatum „einbauen“. Es ist nicht nur ein Gefühl: Dass die „Erst-Nutzungsdauer“ vieler Haushalts- und Elektrogeräten wirklich rückläufig ist, ergab jüngst eine Studie des deutschen Umweltbundesamtes. Zu beweisen, dass bewusst Schwachstellen eingebaut werden, gelingt aber fast nie.
Weil die Ressourcen zunehmend ausgehen und Großmächte wie China oder Indien  immer mehr Elektrogüter wollen, macht sich dennoch ein  Umdenken breit, schildert Zukunftsforscher Holzinger. Ansetzen will man beim Reparieren. So solle in Österreich der Mehrwertsteuersatz für Reparaturen ähnlich wie in Schweden auf zehn Prozent halbiert werden. Dazu forderte der Salzburger Landtag kürzlich die Bundesregierung auf. Den Anstoß gab ein Antrag der Salzburger Grünen. Im Parlament  wurde der Antrag  vertagt.  Der Landtags-Grüne  Josef Scheinast  wird einen gleichlautenden Antrag diese Woche auch in der Salzburger Wirtschaftskammer einbringen und meint: „Staatliche Anreize sind dringend nötig.“

Die Ressourcen gehen aus – jetzt denkt auch die EU um

Auf EU-Ebene zielen die ersten Schritte auf Reparieren statt Wegwerfen. Hans Holzinger: „Die Kreislaufwirtschaft soll massiv gestärkt werden.“ Man diskutiere, dass Hersteller auf die Produkte schreiben sollen, wie lange sie halten. Angedacht seien auch Labels wie „Dieses Gerät ist reparaturfähig.“
Der Wille, Produkte zu reparieren, wächst: In Salzburg, dem Ursprung der Repair Cafés, pilgern zu eben jenen hunderte Menschen. „Den Leuten geht es eindeutig um Nachhaltigkeit. Da wächst etwas Großes“, ist Ursula Sargant-Riener überzeugt. Die Repair Café-Koordinatorin schildert, warum die  dutzenden (pensionierten) Techniker ehrenamtlich  schrauben, löten, flicken: „Denen blutet das Herz, wenn sie sehen, wie schlampig heutzutage Produkte hergestellt werden und dann gleich nicht mehr  funktionieren.“ Staubsauger, Mixer, Toaster und vieles mehr bringen die Freiwilligen wieder in Schuss – insgesamt seit 2013 bereits 3000 Geräte. Sargant-Riener: „Der Bedarf ist extrem.“
Die Reparier-Bewegung ist  „jenseits des Marktes“, sagt Hans Holzinger. Sie benötigen Freiwillige und Organisation. Doch da komme noch mehr. Solche Bewegungen seien Seismografen, die zeigen, wo Dinge schief laufen. Holzinger: „Der Reparier-Trend hat das Potenzial, Veränderungen anzustoßen.“
Info: Nächstes Repair Café: 10. 6., 12-16 Uhr, JUZ Kendlerstr. 35.

Von Sabine Tschalyj

 

Wer was repariert, darüber informiert online der Salzburger Reparaturführer