Im digitalen Kinderzimmer: 6 Probleme, 6 Lösungen

Kinder und Jugendliche brauchen klare Grenzen und eine ordentliche Portion Vertrauen, ist sich Matthias Jax sicher. „Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Mischung zu finden.“

Mit der EU-Initiative „Saferinternet“ geben Jax und seine Kollegen Workshops an Schulen und beraten österreichweit Eltern und Kinder. Dem „Fenster“ verrät er Tipps zu den brennendsten Problemen im „digitalen Kinderzimmer“:

1. Internetsucht

Zunächst sei gesagt: Nicht alles, was nach Sucht aussieht, ist auch wirklich bedenklich. Wollen Eltern den Internetkonsum ihrer Kinder dennoch einschränken, rät Matthias Jax zur Vorsicht, denn: „Ein Verbot ist definitiv die falsche Lösung. Dadurch wird die Technologie für das Kind erst recht interessant. Alles, was verboten ist, bedeutet Spannung.“
Stattdessen rät der Experte dazu, gemeinsam mit dem Kind Regeln zu erarbeiten und beispielsweise handyfreie Zeiten zu beschließen.
„Wichtig ist dann aber auch die Vorbildwirkung: Wenn die Mama beim Mittagsessen die Mails checkt, wird sich das Kind auch nicht daran halten“, sagt Jax.

2. Eltern kennen sich nicht aus

Wenn Eltern mit den digitalen Medien nicht vertraut sind, können sie ihren Kindern auch deren Gefahren nicht vermitteln. Die Krux an der Sache: Die Eltern sollten die ersten Ansprechpartner sein, wenn ihre Kinder Probleme haben. Saferinternet rät daher: „Erwachsene sollten sich vom Kind die Plattformen zeigen und erklären lassen. Außerdem sollten sie Interesse für Snapchat und Co. zeigen. Das gefällt dann auch den Kindern.“

3. Cyber-Mobbing

Wenn Kinder und Jugendliche im Internet gemobbt werden und sich damit an die Eltern wenden, ist das schon mal eine gute Sache, sagt Matthias Jax: „Viele Kinder merken nämlich nicht, dass sie mit der Situation überfordert sind und kommen erst sehr spät zu den Eltern.“ Als Elternteil sollte man Fälle von Cyber-Mobbing unbedingt ernst nehmen und alle Beweise dokumentieren. In Einzelfällen können die Profis von Rat auf Draht (Tel. 147) weiterhelfen. Cyber-Mobbing ist kein Kavaliersdelikt mehr. Strafrechtlich relevant wird es meist aber nur, wenn das Mobbing über einen längeren Zeitraum stattfindet.

Mehr als drei Stunden verbringen Jugendliche täglich im Internet, zeigt die JIM-Studie 2016.

4. Fake News

„Das ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, sagt Jax. Falsche Nachrichten und Gerüchte verbreiten sich im Netz wie ein Lauffeuer. Kinder – aber auch Erwachsene – müssten erst lernen, mit den ungefilterten Nachrichten umzugehen: „Eltern sollten mit ihren Kindern gemeinsam lernen, Artikel im Internet auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Zum Beispiel, wie man zwei bis drei Quellen miteinander vergleicht.“ Das mit der Glaubwürdigkeit sei aber eine schwierige Sache, gibt Jax zu bedenken: „Für Jugendliche ist das eine sehr relative Sache. Denen ist manchmal gar nicht wichtig, ob die Information stimmt.“

5. Pornografie

Wenn sich Jugendliche im Internet pornografische Inhalte ansehen, ist Aufklärungsarbeit seitens der Eltern wichtig. Saferinternet rät, den Kindern zu erklären, dass die gezeigten Inhalte üblicherweise stark von der Realität abweichen. Das Anschauen von Pornos habe per se keine negative Auswirkung, aber: „Wichtig ist, mit den Kindern über das Thema zu reden und vor allem den Unterschied zwischen Realität und Fiktion klarzumachen.“

6. Urheberrechte

Auch hier versucht Saferinter-net aufzuklären. Das Problem: „Durch Plattformen wie Youtube haben die Jungen ein vollkommen anderes Verständnis von Urheberrechten. Die aktuellen Gesetze entsprechen auch nicht mehr dem Stand der Technik.“ Als Alternative empfiehlt Jax sogenannte Creative Commons Lizenzen, die auf dem freien Austausch von kreativen Werken wie Musik beruhen.

WhatsApp ist der Spitzenreiter

93 Prozent aller Jugendlichen verwenden den Messenger-Dienst. Knapp dahinter folgt Youtube. Instagram und Snapchat haben Facebook bereits  überholt. Der letzte Schrei ist die App „Musical.ly“, bei der Jugendliche kurze Videos von sich selbst beim Singen, Tanzen oder Ähnlichem hochladen.

30 % der 15- 20 Jährigen waren schon Opfer von Cyber-Mobbing.

Quellen: Jugend-Internet-Monitor/ Rat auf Draht

Auf Saferinternet.at werden die häufigsten Fragen im Umgang mit digitalen Medien thematisiert. Der Video-Blog „Frag Barbara“ beantwortet konkrete Fragen von Eltern. Workshops bietet in Salzburg auch das Institut für Medienbildung.

Von Katharina Maier

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