Exot in einer Frauenwelt

Puzzle bauen, spielen und viel lachen: Marcus Brettner (25) hat als Kindergärtner seinen Traumjob gefunden. Noch immer gibt es viel zu wenige Kindergärtner.

In einem Kindergarten zu arbeiten ist in Salzburg fast exklusiv Frauensache. Knapp 3000 Frauen stehen nur 64 Männer gegenüber. Warum das so ist und er sich trotzdem für diesen Job entschieden hat, wollte das SF von Marcus Brettner  (25) wissen. Er arbeitet seit Herbst im KOKO-Kindergarten „Forelle“ in Liefering  – als einziger männlicher Kindergärtner in der 90-köpfigen KOKO-Belegschaft in Salzburg.
Männer sind im Kindergarten Exoten. Wie sind Sie darauf gekommen?

Für mich war immer klar, dass ich etwas Soziales machen will. Meine Schwester ging in die Kindergartenschule und ich habe gesehen, wie toll es war. Meine Alternative wäre die Landwirtschaftsschule und ein Studium an der Universität für Bodenkultur gewesen. Aber nur für den Fall, falls ich die Aufnahmsprüfung in die Kindergartenschule  nicht geschafft hätte.
Wie viele Burschen gab es in der Kindergartenschule in Ihrer Klasse?
Gar keine. In meinem Jahrgang waren 60 Mädchen und ich.
Warum machten Sie es trotzdem?
Mich hat es einfach sehr interessiert, mit Kindern zu arbeiten. Außerdem ist Kindergärtner ein Beruf, den nicht jeder macht.
Was sprach dagegen?
Dass man erst einmal schief angeschaut wird, wenn man sagt, man will Kindergärtner werden.
Was sagten die  Freunde?
Für die war es normal. Und für meine Eltern genauso.
Und ist die Arbeit, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Viel besser! In der Ausbildung kriegt man in kurzer Zeit sehr viel vermittelt, was Bildungspläne angeht und so weiter. Ich habe das richtig stressig gefunden.
Im Kindergarten habe ich dann gesehen: Die Arbeit ist nicht stressig, im Gegenteil: Ich muss mir  für die Kinder Zeit nehmen. Damit was weitergeht und sie von ihrer Zeit im Kindergarten profitieren. Das Kind soll als vollwertiger Mensch mit seinen Bedürfnissen  im Mittelpunkt stehen. Wenn die Kinder aus dem Kindergarten rausgehen, sollen sie gefestigt im Leben stehen.
Was hat Sie überrascht?
Dass mich das Team so herzlich empfangen hat. Es war ja mein erster richtiger Job. Die Eltern der Kinder waren sehr positiv gestimmt, dass ein Mann als Pädagoge hier arbeitet.Was macht denn ein Mann anders als eine Frau?
Eigentlich nichts. Ich bin der gleiche Ansprechpartner wie meine Kolleginnen. Die Kinder sehen aber an mir, dass Bildung kein reiner Frauenberuf ist.  Einige Buben hier sagen schon, sie wollen auch Kindergärtner werden (schmunzelt).
Haben Ihnen Ihre Kolleginnen bestimmte „Männeraufgaben“ zugeteilt?
Nein. Aber wenn eine Kollegin mal wo nicht hinaufkommt, ist es schon praktisch, dass ich ein bisschen größer bin.  Und was wollen die Kinder von Ihnen?
Alles. Zeichnen, Puzzle bauen, Verkleiden. Fußball ist nicht so meine Stärke, da ist die eine oder andere Kollegin besser als ich.
Was ist das Schönste an der Arbeit?
Das Kinderlachen! Und wenn sie sich ganz in ein Spiel vertiefen können. Oder es ihnen beim Spielen so gefällt, dass sie, wenn die Mama kommt, eigentlich gar nicht heimgehen wollen.
Könnten Sie mit Ihrem Gehalt eine Familie ernähren?
Das würde mit dem Anfangsgehalt eher schwierig werden. Wir sind generell unterbezahlt, weil der Kindergarten nicht wirklich als Bildungseinrichtung gesehen wird, sondern eher als ein Ort zum „Kinder abgeben“.
Bei einem Kindergarten-Ausflug verschwanden kürzlich in Plainfeld zwei Buben.
Man hofft immer, dass so was nicht passiert.
Wie bereitet man sich bei Ausflügen vor?
Die Kinder gehen in Zweierreihe. Eine Pädagogin am Schluss.  Und: Immer wieder die Kinder zählen.

 

Kindergärtner fehlen

Männliche Kindergärtner sind für Kinder wertvolle Vorbilder. „Die Kinder sehen, wie Männer und Frauen arbeiten und miteinander umgehen“, sagt Anne Greinz von KOKO und wünscht sich mehr  Kindergärtner. 2200 Euro brutto beträgt das Anfangsgehalt für Kindergartenpädagogen/innen. Es steigt mit den Dienstjahren.

Von Sabine Tschalyj