Die Netrebko zahlt zurück

Fisch und die besten Palatschinken der Welt gibt’s am Wallersee. Wo genau, lesen Sie hier.

Die Aufführung von Mozarts Don Giovanni im Jahr 2002 schoss Anna Netrebko zum internationalen Opernstar empor – ihr Karriere-Start. Eines muss man der Diva lassen: Seitdem zahlt sie zurück. Kommt jeden Sommer wieder nach Salzburg und verhilft den Festspielen zu bestem Kartenverkauf. Und als das deutsche Klatschblatt „Bunte“ Prominenz fürs Titelblatt brauchte, sagte sie zu. Weil das Sonderheft für Salzburg wirbt. Im Interview nach einem Ausflugstipp gefragt, nannte sie den Winkler am Wallersee in Neumarkt. Mit dem bedauernden Zusatz, sie sei lange nicht mehr dort gewesen.

So geht es dem Vorkoster auch. Das lag auch daran, dass man in der Eigentümer-Familie unterschiedliche Wege ging.  Tochter Susanne hatte den Spitzenkoch Emanuel Weyringer geheiratet, beide übernahmen 2005 den Betrieb. Jahre später zogen die Weyringers dann aber das Ufer hinab nach Henndorf und bauten dort ihr neues  Restaurant auf. Der Vorkoster war als Gast quasi mitgegangen. Und das Winkler wird nun von der anderen Tochter geführt. Zeit wieder für einen Besuch in Neumarkt.
Trägt das Haus ein Schild an der Fassade, vielleicht neon-beleuchtet: Empfohlen von Anna Netrebko? Aber nein. In den 47 Jahren Bestand hat das Hotel schon einige Opernstars beherbergt. Monatelang beispielsweise Simon Rattle. Oder den italienischen Tenor, der selbstverständlich seine Weine mitbringen durfte. Hier herrscht Diskretion. Das Publikum ist so konservativ, dass der vife Ober ein Stammgastpaar fragte, ob sie überhaupt eine Speisekarte sehen wollten. Die Auswahl steht seit Jahren – man freut sich schon beim Wegfahren daheim auf sein Lieblingsgericht.

Noch in der Weyringer-Zeit ist das Restaurant renoviert worden, stilvoll modern. Aber wir zogen es vor, windgeschützt an der Hausmauer zu sitzen, die Frühlingssonne im Gesicht mit Blick auf den See und zwei Kitesurfer, die über die Wellen jagten. Schöner geht es nicht.

Die Vorkosterin orderte Schnecken, die gibt es ja sonst kaum mehr. In den 1950er Jahren war Schneckensammeln ein Volkssport, an 950 Sammelstellen österreichweit konnten die Tierchen gegen Groschenbeträge eingetauscht werden – und hier in Neumarkt war die Zentrale, von der aus Schnecken tonnenweise nach Frankreich exportiert wurden. So entstand der Spitzname Schnecken-Winkler.

Jetzt kostet ein halbes Dutzend, gratiniert und mit Pfeffer gewürzt, 10 Euro. Der Vorkosterin haben sie geschmeckt, der Vorkoster ist da nicht so der Fan. Er delektierte sich an einer Fischsuppe (€ 5,50), gehaltvoll-intensiv war sie, ein hübsches Recyclen der Fischreste. Die Netrebko hatte vom Zander geschwärmt, es gab einen für zwei Esser, 90 Dekagramm schwer, um 55,80 Euro. Die Gäste müssen keine Angst vor Gräten haben, blitzschnell filetierte der Ober das braun gebratene Tier. Saftig war das Fleisch geblieben und wunderbar aromatisch, begleitet von einer Buttersauce, parfümiert mit Senf, samt Erdäpfeln, Gemüse und grünem Salat. So klassisch wie gut. Und die Palatschinken zum Schluss, hauchzart und mit Marillen-Marmelade gefüllt, gelten laut Eigenwerbung als „die besten der Welt“ – und niemand widerspricht.
Anno Netrebko singt hinreißend und versteht auch etwas vom Essen. Der Winkler-Tipp: ein wunderbarer Ausflug.

Seehotel Winkler, Uferstraße 32, 5202 Neumarkt am Wallersee, Tel. 06216/5270-0, www.seehotel.at

Das Foto ist von Robert Ratzer, Salzburger Nachrichten

Der Vorkoster bewertet das Winkler mit 13 von 20 Punkten, damit vergibt er eine Haube.