Salzburger Familie teilt sich Autos mit anderen

Alexander Gautsch, seine Frau Barbara und seine Tochter Maja fahren EMIL, betreiben also Carsharing. Service-Termine, Reifencheck, Versicherung –  das alles haben die drei hinter sich gelassen.

Der kleine BMW ist das beliebteste Fahrzeug in der Flotte. „Ständig ist er ausgebucht“, sagt Alexander Gautsch mit Kundennummer 14. Kundennummer 14 belegt, dass der Informatiker einer der ersten Emil-Nutzer ist. Emil ist ein Tochterunternehmen von Salzburg AG und Rewe, das Carsharing betreibt. Im März 2012 nahm die Idee Fahrt auf.
Für Gautsch heißt das: Braucht er ein Auto, leiht er es sich aus. Sein Mobilitätsverhalten hat sich komplett verändert. „Man fährt nicht mehr aus Bequemlichkeit doch mit dem Auto in die Arbeit oder  zwecks Spaß kurz auf den Gaisberg. Alles läuft  geplanter ab“, erklärt der Mann.

Die Reservierung der Autos – fünf Modelle, alle mit Elektro-Antrieb, stehen zur Auswahl – führt er über eine App auf dem Mobiltelefon durch. Ein paar Klicks genügen. Wer mag, kann auch über die Homepage oder telefonisch buchen. Allfällige Berührungsängste sind unbegründet. „Es ist einfacher, als ein Ticket für den Bus zu lösen.“
Um  mitzumachen, muss man lediglich einmal persönlich vorstellig werden und seinen Führerschein vorzeigen. „Mir wurde damals auch eine Einschulung angeboten“, erinnert sich der Salzburger Familienvater.


Ist es dann soweit, nimmt er  das Auto direkt an einer der  Ladestationen in Betrieb. Dafür hält er eine Scheckkarte an die Scheibe, die Tür springt auf, der Schlüssel liegt im Handschuhfach.  „Wir sind mit dem Auto bereits auf die Erentrudisalm, zu Freunden nach Mattsee oder an den Wolfgangsee gefahren“, sagt Gautsch. Alles habe stets super funktioniert.

Nach der Geburt von Tochter Maja vor viereinhalb Jahren setzte die kleine Familie noch ein Jahr lang parallel auf ein eigenes Auto  – zur Sicherheit. Doch nach gelungenen Testfahrten stand fest: Emil und Maja passen gut zusammen. Das Paar entschloss sich, die eigene Karosse zu verkaufen – weil es auch ohne geht. Die Vorteile zählt Gautsch an  seinen fünf Fingern ab.  Die Autos lassen sich spontan, komfortabel und rund um die Uhr buchen. Es braucht keine persönliche Treffen zur Schlüsselübergabe. „Services, Versicherung, Winterreifen-Check:  das  gehört der Vergangenheit an“, gibt er sich begeistert.

Monatlich wird dem Informatiker die Summe von 9,90 Euro   von seinem Konto abgezogen. Zudem  zahlt ein Mitglied dann 3,90 Euro pro Stunde beziehungsweise 39 Euro pro Tag und 59 Euro für ein Wochenende. Will jemand gar kein Grundentgelt entrichten, fällt der Stundentarif mit 6 Euro höher aus.

Den einzigen  Haken sieht Gautsch noch in der Reichweite. Anders als die Hersteller angeben, beträgt die für die meisten E-Autos nämlich nur 100  statt 150 Kilometer. Deshalb würde er sich auch herkömmlich betriebene Fahrzeuge im Pool wünschen. „Wenn wir zum Zelten an die Adria fahren, mache ich das sicher nicht im E-Auto.“

Ein anderes Problem hat sich mittlerweile in Luft aufgelöst: nämlich Möbel oder eine Waschmaschine  transportieren zu können.  Für derartige Einsätze steht  nun  ein knallgelber Lieferwagen der Post zur Verfügung: zumindest ab 16 Uhr und während des Wochenendes. „Dieser Service in Kooperation mit der Post wird von der ersten Minute an so gut angenommen, dass wir überlegen ein weiteres Lieferauto 24 Stunden zur Verfügung zu stellen“, erklärt Emil-Geschäftsführer Dietmar Emich auf Anfrage.

Generell sei die Auslastungsrate mit 20 Prozent über alle 16 Stationen und 21 Autos gerechnet „phänomenal“.  Doch Halt. Wollte man im Jahr 2016 nicht bereits 40 Stationen errichtet haben auf Stadtgebiet?  Stimmt. Dass es anders gekommen ist, liegt laut Emich  an den nach wie vor sehr hohen Kosten für die Autos.  Es werde mit dem weiteren Ausbau noch zugewartet – eine unternehmerische Entscheidung. Bleibt eine Frage: Warum ist der BMW immer vergeben? Das weiß Gautsch: „Von 0 auf 100 schafft es der in nur sieben Sekunden. Da kommt der Spaßfaktor dazu.“

von Sigrid Scharf