Sind Kabarettistinnen lustig? Mann zweifelt.

Kabarettistinnen haben es schwer. Acht treten jetzt im Verbund auf. Von 9. bis 12. Februar gehört die Bühne des Kleinen Theaters bei „Die Kabarett“ den Frauen. Zwei, die da mitmachen, sind Lokalmatadorin Anita Köchl und die Wienerin Guggi Hofbauer.

SF: Frau Hofbauer, Sie sagten mal, eine Frau dürfe manche Dinge auf der Bühne nicht sagen. Welche?
Hofbauer: Ich fing bei Wettbewerben mit Kabarett an, da waren viele männliche Kollegen. Die haben auf der Bühne Porno-Witze erzählt. Ich dachte, das probier’ ich auch. Bei mir  hat aber keiner gelacht. Das sind Tabus, die man als Frau nicht anrühren darf. Spiele ich einen Mann, der diesen Witz erzählt, dann funktioniert es.

SF: Gibt es  denn  einen Unterschied  beim Humor zwischen Mann und Frau?
Hofbauer: Ich glaube, Frauen haben einen feineren Humor. Männer vertragen eher die Brechstange.  Aber es gibt natürlich einen großen Bereich, der sich überschneidet. Letztlich ist Humor etwas ganz Individuelles.

Köchl:  Es ist lustig, wenn sie sich im Publikum hörbar reiben. Aber im Großen und Ganzen gibt es keinen Unterschied.

Frau Köchl, Komiker Edi Jäger ist Ihr Bühnen- & Lebenspartner.Wie wichtig ist Humor für eine Beziehung?
Köchl:  Er ist eines der wichtigsten Dinge. Besser, man ist ein bisserl weniger schön und hat Humor. Da hat man länger was davon.

SF: Warum ist Kabarett so eine Männerdomäne?
Köchl: Männer trauen den Frauen sehr wenig Humor zu. Und die Frauen sich selber  auch. Vor Jahren sagte einmal ein bekannter Kabarettist zu mir: Frauen kennen ja keinen Humor. Diese Haltung ist heute noch da. Fragen Sie einmal einen Niavarani und Konsorten, wie viel sie einer Frau zutrauen!

Hofbauer: Ich kenne das eher von älteren Kabarettisten. Die Kabarettwelt ist eine männliche, sich da zurechtzufinden, war ein Lernprozess. Seine Frau zu stehen, Paroli zu bieten und diese direkte Kommunikation, die Männer draufhaben, zu lernen. Gerade am Anfang ist  es oft Thema: Warum spielst du nicht im Kleid? In Hose? Ich habe noch nie mitbekommen, dass das beim Mann diskutiert wird. Der schaut so aus, wie er ausschaut und aus.

SF: Spürt man das auch beim Publikum?
Hofbauer: Wenn eine Frau auf der Kabarettbühne steht, ist das Publikum skeptisch, sie muss es überzeugen. Beim Mann ist es umgekehrt: Das Publikum denkt, der ist sowieso lustig.

Köchl: Man kann sagen: Bei einem Männerprogramm sind 60 Prozent Frauen im Publikum, bei einem Frauenprogramm maximal 6 Prozent Männer. Das ist schon  bitter. Ich spielte  „Shirley Valentine“ in Seekirchen, da war die Bude rappelvoll, 200 Leute, davon drei Männer.  Wenn man ständig dieses Männer-Niedermäh-Kabarett macht, darf es einen aber auch nicht wundern. Das ist vielleicht zu oft passiert,  die Männer sind vielleicht ein bisserl verschreckt (lacht). Mir liegt das  ja gar nicht, ich mache gern mal einen Witz über einen Mann, aber das war’s dann auch.

Stehen ihre Frau in der Männerdomäne Kabarett: Anita Köchl (li.) und Guggi Hofbauer. Bilder (2): Suchanek

SF: Fällt Kabarett Frauen auch von sich aus schwerer?
Köchl: Ich denke schon. Kabarett verlangt großes Selbstvertrauen. Als Schauspieler lernt man, sich die Bühne zuzutrauen. Aber dann noch zu eigenen Texten zu stehen, das ist ein riesiger Schritt.  Wenn man als Kabarettistin auftritt, wird man leicht mit der Figur, die man spielt, gleichgesetzt. Das muss man mögen. Dadurch, dass die Emanzipation jünger ist als das männliche Selbstverständnis, sind uns da die Männer voraus. Aber das wird wachsen.

Hofbauer: Kabarett ist ein seltener  Berufswunsch von Frauen. Man braucht Mut zur Hässlichkeit, wenn man Grimassen schneidet,   Mut, um anzuecken.  Ein Mann stellt sich auch im Alltag eher hin und sagt: Ich bin so wie ich bin. Wem es gefällt, gut, wem nicht, Pech gehabt. Frauen wollen eher Everybody’s Darling sein. Das geht auf der Bühne halt nicht.

SF: Täuscht der Eindruck, dass   Kabarettistinnen kaum  Politik  einbauen?
Hofbauer: Ich glaube, das liegt daran, dass Frauen emotionaler sind, mehr über Gefühle reden. Sie behandeln daher auch im Kabarett lieber Emotionaleres.

Köchl: Ich hab mein Programm  halb politisch, halb über Haushalt gemacht. Die  Haushaltsnummern  waren  die großen Brecher.   Leider, ich hab’s versucht.  Wenn man politische Sachen drin hat, heißt es auch, ständig tagesaktuell nachschreiben: Mir sind der Berlusconi rausgefallen, der Sarkozy, der Gaddafi. Das Gute ist, ich habe sie alle abgeschossen (lacht). Kaum hab ich das Kabarett gemacht, waren alle weg, einzig die Merkel ist geblieben.

Von Petra Suchanek