Zwei Millionen Apps – und kein Ende in Sicht

Apps erleichtern uns den Alltag. Und sie sind ein Riesengeschäft.

Gibt man in der Google-Suche den Begriff „Apps“ ein, erhält man innerhalb von 0,92 Sekunden mehr als 1,7 Milliarden Treffer. Die Zahl verdeutlicht, welche Dimension das Geschäft mit den – mehr oder weniger – praktischen Anwendungen für Smartphones und Tablets in den vergangenen Jahren angenommen hat. Laut Studien lädt jeder zweite Smartphone-Besitzer zusätzlich zu den bereits vorinstallierten Anwendungen weitere Apps herunter. Der Großteil davon ist zwar kostenlos, setzt aber auf sogenannte In-App-Käufe – Erweiterungen oder Premium-Zugänge, die nur gegen Bares genutzt werden können. 2015 wurden weltweit über 200 Milliarden Apps heruntergeladen, wobei die Chinesen mit einem Anteil von rund 60 Prozent das mit Abstand App-verrückteste Volk sind. Der weltweite Umsatz mit Apps belief sich 2015 auf 41 Milliarden Dollar. Spätestens im Jahr 2020 soll laut Prognosen die 100-Milliarden-Grenze übersprungen werden. Drei Viertel der Umsätze in App-Stores werden dabei mit Spielen gemacht.

Apps gibt es mittlerweile für alle Altersgruppen, Interessengebiete und Lebenssituationen. In dem noch immer erfolgreichsten App-Store, dem „Play Store“ von Google, sind mittlerweile über 2,3 Millionen Apps verfügbar. Rund zwei Millionen Anwendungen stehen im App-Store des Konkurrenten Apple bereit, mehrere Hunderttausend sind es bei Amazon – wobei davon auszugehen ist, dass sich ein Großteil des Angebots überschneidet. Die Bandbreite reicht von Apps zur Förderung von Kleinkindern über Dating-Apps bis hin zu den Themen Fitness und Gesundheit, Essen und Trinken oder Haus und Garten.

Augmented Reality: Das nächste große Ding?

Als „das nächste große Ding“ im App-Bereich sehen Experten fast übereinstimmend Augmented-Reality-basierte Anwendungen. Dabei werden Bilder der realen Umgebung, die die Kamera eines Smartphones oder Tablets liefert, mit computergenerierten Informationen ergänzt. Bestes Beispiel dafür ist das im vergangenen Sommer weltweit millionenfach heruntergeladene Pokémon Go. Die Kerntechnologie für Augmented-Reality-Apps stammt unter anderem vom Salzburger Unternehmen Wikitude. Vereinfacht dargestellt entwickelt Wikitude Tools und Services, die es den Kunden ermöglichen, auf Augmented Reality basierende Apps zu bauen. „Unsere Software findet sich in über 20.000 Anwendungen auf mehr als 700 Millionen Handys und Tablets weltweit“, sagt Mitarbeiter Christian Ebner.

Eine Kaderschmiede für künftige App-Entwickler ist der Studiengang MultimediaTechnology der Fachhochschule Salzburg. Die Fachbereichs-Mitarbeiter Hannes Moser und Florian Jindra unterscheiden dabei grob zwischen zwei Herangehensweisen. „Man entwickelt eine App entweder, um damit Geld zu verdienen, wie etwa mit Spielen, oder ich nutze als Firma eine App als ergänzende Plattform, um das mobil verfügbar zu machen, was ich ohnehin anbiete. Damit verdient man dann aber auch wenig bis gar nichts“, sagt Moser. Den prototypischen App-Nutzer gebe es heutzutage nicht mehr. „Die Zielgruppe reicht mittlerweile vom Zweijährigen bis zur 75-Jährigen.“

Erfolgsgeschichten wie jene der österreichischen Fitness-App Runtastic, deren vier junge Erfinder aus Oberösterreich durch den großen Erfolg und den Verkauf der App an Adidas reich wurden, werden in Zukunft immer unwahrscheinlicher, ist der Experte überzeugt. „Der Goldrausch, mit einer App reich zu werden, ist schon ziemlich durch“, so Moser. Durch den Preisverfall bei Apps könne ein kleiner Entwickler heute „vielleicht noch ein paar Tausend Euro“ verdienen.

Mit Apps beschäftigt sich in Salzburg aber nicht nur die FH. „Im Techno-Z in Itzling gibt es einige, die von der App-Entwicklung leben“, sagt Moser. Allerdings seien das meist Leute, die davor an der FH studiert hätten. „Es gibt einen guten Austausch.“

Besonders großer Beliebtheit bei jüngeren Smartphone-Nutzern erfreut sich seit einiger Zeit die App Snapchat. „Der Vorteil dieses sozialen Netzwerks ist, dass es ,vergisst‘“, sagt Florian Jindra. Das Prinzip ist dabei denkbar einfach. Ein User schickt Fotos, Videos oder sonstige Nachrichten an einen Freund, die sich nach kurzer Zeit selbst löschen. „Natürlich weiß man nicht, was Snapchat mit den offiziell gelöschten Daten wirklich macht“, sagt Jindra. „Ganz ohne Daten gibt es aber gar keine Dienste, das muss einem klar sein.“

Da viele der mittlerweile über zwei Millionen erhältlichen Apps den Alltag tatsächlich erleichtern können, startet das „Salzburger Fenster“ mit einer neuen Serie und stellt besonders empfehlenswerte, lustige oder schräge Apps vor. Den Start macht „Staufux“, eine gerade für hiesige Verkehrsverhältnisse sehr sinnvolle App, entwickelt von Salzburgern für Salzburger.

200 Milliarden Apps in einem Jahr

Die beliebtesten Apps in Googles „Play Store“ sind nach wie vor WhatsApp und der Messenger von Facebook, dicht gefolgt von der Bildbearbeitungsanwendung Instagram. Alle drei Apps verzeichneten bisher jeweils mehr als eine Milliarde Downloads.

200 Milliarden Apps wurden im Jahr 2015 weltweit von Smartphone- und Tablet-Nutzern heruntergeladen. Allein in Apples „App Store“ wurden so 19 Milliarden Euro umgesetzt. Damit liegt Apple bei den Umsätzen vorn, obwohl in Googles „Play Store“ nach wie vor deutlich mehr Apps heruntergeladen werden.

Von Thomas Strübler