Ludwig: wo sich Burger zu absurden Höhen stapeln

Er habe jede Entwicklung verschlafen, bekam der Vorkoster zu hören, was noch freundlich formuliert war. Schlimmer klang: Er sei schlicht von gestern. Das alles nur, weil er Hamburger (nicht die Menschen, nur die Fleischlaberl) für unelegant hält.

Falsch, sagen seine Töchter. Inzwischen fahre jeder moderne Mensch auf die hippen Burger-Läden ab, die sich an jeder Ecke bilden, auch in Salzburg. Diese Gründerwelle mag unbestreitbar sein – aber bitte: Was ist toll daran, wenn man die Zutaten nicht hübsch nebeneinander auf dem Teller dekoriert, sondern übereinanderstapelt zu einer instabilen Höhe, die man selbst mit beiden Händen nicht so umfassen kann, dass nicht die Einzelteile unappetitlich durch die Gegend fliegen? Man braucht Schutzkleidung, um unbeschadet einen solchen Burger-Angriff zu überstehen.

Nützte alles nichts, die Familie schleifte ihn mit. Zur Strafe müssen diesmal die Töchter das Mahl bewerten, das haben sie nun davon. Ist ja auch angemessen, schließlich sind sie die Zielgruppe und nicht der ewiggestrige Vorkoster.

Es ging zum Ludwig. Die Filiale soll der angesagteste Hamburger-Brater sein in Salzburg, im schicken Bruderhof. Der Unterschied zu den US-Ketten: Das Lokal ist aus solidem Material, sauber, zeigt klare Linien und die Erdfarben Braun, Grün, Grau – will bei aller Urbanität gemütlich wirken. Man muss nicht anstehen, wird bedient. Der Blick in die Küche ist frei, Burger werden nicht auf Vorrat produziert, sondern erst frisch nach Bestellung. Wir hatten den Rat bekommen zu reservieren, könne ganz schön voll sein dort. Nun war es eher schütter besucht, aber im TV lief ein attraktives Skirennen.

Allerdings: Die Burger in acht Versionen kosten von 6,90 bis 10,80 Euro, sind deutlich teurer als die Konkurrenz. Was die erfahrenen Töchter nicht schreckte: „Geht schon.“ Weit vom Weltrekord entfernt – in London brachte ein Modell mit Blattgold 1569,40 Euro ein. Das Kerngeschäft namens Patty, also die 170-Gramm-Scheibe Faschiertes, wird medium gegrillt – was zwingend auf Frische schließen lässt. Denn tiefgefrorenes Fleisch muss laut Lebensmittelgesetz durchgegart werden. Die Burger stapeln sich zu absurden Höhen. Glücklicherweise gab es Messer und Gabel zur Bewältigung der Berge. Wobei die vegane Version sinnfrei zusammengestellt schien: Pilze, Hummus, Avocado, Rucola, Tomate, gebackene Zwiebelringe. Das störte sogar die vegetarisch orientierte Tochter, mehr noch, dass die Zutatenansammlung lauwarm kam und stetig auskühlte. Kein Einzelfall: Auch die anderen fanden ihre Pattys so ab der Hälfte des Mahls reichlich unterkühlt. Die dem Vorkoster exotisch vorkommenden Aromen wie beim Chili-Burger fanden bei der Jugend ihre Zustimmung.

Die Pommes waren recht gesund angelegt, also untersalzen, die handgeschnitzten ebenso wie die konventionellen, das stieß auf Unverständnis. So rissen sich alle um die Sweet Potato Fries aus Süßkartoffeln samt Aioli-Dip. Salate als Beilagen waren vogelwild gewürzt, auch das kam gut an. Bei den Nachspeisen war ein Brownie der Renner, der Rest schmeckte recht künstlich. Limonaden sind attraktiv zusammengestellt: Pfefferminz-Mango zum Beispiel. Die Wertung der Töchter: „insgesamt empfehlenswert“.

Und der Vorkoster? Wenn er noch einmal wiederkommt, bestellt er ein seltsames Mahl: Schokokuchen mit Pommes frites aus Süßkartoffeln – also das, was ihm wirklich geschmeckt hat.

Ludwig
Bruderhof, Linzer Gasse 39,
5020 Salzburg,
Tel. 0662/872500,

Der Vorkoster

Bild: Marco Riebler

Er testet seit Jahren anonym die Gastronomie – und gibt unbestechliche Urteile ab. Exklusiv im „Fenster“.