Armut in Afrika? Lässt sich ändern.

Bootsflüchtlinge müssen nicht sein, weiß die Salzburgerin Eva Mück. Sie initiierte mit ihrem Verein „African Spirit, Rhythm for Life“ im Senegal ein „Boot zum Bleiben“.

Bei „Boot“ und „Afrika“ denkt man zuallererst an die Tausenden Bootsflüchtlinge, die in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Europa aufbrechen. In Kafountine, einem Dorf im Senegal in Westafrika, lief kürzlich ein Boot vom Stapel, das die Menschen zum Bleiben animieren will. 45 Mann trägt es aufs Meer hinaus – und wieder zurück. Es hat ein handgeknüpftes Netz von 800 Metern Länge an Bord. Vom Bug bis zum Rumpf wurde es vor Ort in traditioneller Handarbeit gefertigt. Es gab den Menschen Arbeit und wird es weiterhin tun.

Das 800 Meter lange Netz wurde in Handarbeit von den Menschen im Dorf gefertigt. Foto: Mück

Denn nicht die Flucht, der Fischfang ist sein Ziel. Das Boot gibt dem Dorf eine Perspektive. An dieser mangelt es in Kafountine: 85 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, das veranlasst viele Junge zum Weggehen. Im Internet sehen sie, wie schön Europa ist. Oft sind es die Eltern, die  ihre Kinder wegschicken: „Alle wollen nach Europa. Sie haben zwar keinen Krieg, sehen  daheim aber keine Zukunft“, weiß Eva Mück.

Kommen sie in Europa an, verheimlichen sie, dass es ihnen hier schlecht geht. „Der Druck ist zu groß. Da posten sie lieber Fotos, wo sie vor  Luxusautos  stehen.“

Das „Boot zum Bleiben“ ist bereits im Einsatz. 45 Fischer haben darauf Platz. Foto: Mück

Eva Mück engagiert sich seit über zehn Jahren für Menschen in und aus Afrika. Mit ihrem Verein „African Spirit, Rhythm for Life“ fördert die Salzburgerin soziale und kulturelle Projekte. Das „Boot zum Bleiben“ ist ihr jüngstes. Es soll nicht das letzte sein: Mücks Traum ist es, Kafountine zu einem Vorzeigedorf zu machen. „Seht, es geht!“, das will sie den Menschen vor Ort und in Europa zeigen. Die Not muss keine endgültige sein. Arbeitsplätze zu schaffen ist Mücks großes Ziel, denn nur so kann Armut langfristig bekämpft werden.

Eva Mück mit Frauen im Dorf, die den Fisch verarbeiten. Foto: Mück

Der Fischfang und die -verarbeitung  geben rund 120 Menschen Arbeit.  „Das Boot ernährt 50 Großfamilien. Wir brauchen jetzt dringend einen Kühlwagen, damit die Menschen auch mit frischem Fisch Handel treiben können“, sagt Mück. Auch an sanften Tourismus denkt sie: Für Urlauber, die Afrika fernab abgetretener Pfade erleben wollen, wurden im Ort Zimmer eingerichtet. Eingebettet in die Dorfgemeinschaft kann man bei der Arbeit mithelfen – wer das nicht will, zahlt Miete.

Ihr Engagement fußt auf der Liebe zu ihren Kindern

Früher arbeitete Eva Mück in einem Büro, in einer Bank. Stets begleitet von dem Gefühl, dass ihr Job sie nicht richtig ausfüllt.  Dann  adoptierte sie mit ihrem Mann  zwei Kinder aus Äthiopien  und krempelte ihr Leben um. Um den Kindern deren Wurzeln näherzubringen, suchte sie den Kontakt zu Afrikanern in Salzburg. Im einstigen African Center  lernte sie   Musiker kennen, besuchte und organisierte  Trommel-Workshops. „Ich erkannte, dass die meisten Afrikaner hier nicht glücklich sind und ihre Bindung zu der Familie daheim sehr stark ist“, sagt Mück. Es wuchs eine Vision in ihr:  Sie wollte durch Projekte in Afrika den Geflohenen eine Grundlage zur Heimkehr schaffen. Das habe sie einiges an Lehrgeld gekostet, erzählt sie, naiv sei sie heute nicht mehr.

Ich sage den Afrikanern:  Ihr habt in Europa keine Chance! – Eva Mück

Nicht nur ihre Zeit, auch ihr Erspartes hat Eva Mück in den Verein gesteckt. Den Rückhalt ihrer Familie hat sie. Diesen wird sie noch länger brauchen. Das  merkt man am Strahlen ihrer Augen, wenn sie   von ihren Plänen erzählt. „Man braucht keine großen Organisationen, nur eine Handvoll Leute, die gemeinsam etwas machen, und Menschen vor Ort,  die diese Projekte mittragen.  Daraus  kann viel wachsen.“

Von Petra Suchanek