Gute Stimmung, gutes Essen: Die Lohmayr Stub’n in Piding

Dem „Guide Michelin“ verdanken wir eine Empfehlung, einen Bib Gourmand für die Lohmayr Stub’n in Piding – das ist der Hinweis auf ein „exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis“. Auch der sich von Österreich nach Deutschland ausbreitende „Falstaff“-Führer gewährt eine gute Wertung. Am meisten aber wiegt der mündliche Tipp von Michael Reinartz, dem Gründer und jahrzehntelangen Herausgeber des „Gault Millau Österreich“, der inzwischen mit seiner Frau in die Gegend gezogen ist und im Pidinger Betrieb zum Stammgast wurde. Man wird sich doch auf die Kollegen verlassen dürfen.

Lohmayr Stub’n – das war einmal das Austragshäusl zweier Könner, Bertl Schwab und Hermann Anfang, die ihren im Reichenhaller Kirchbergschlössl erworbenen „Michelin“-Stern dankend zurückgaben und hier solide in die Rente kochten. Seit sechs Jahren steht Sebastian Oberholzner am Herd, ein Reichenhaller. Seine Frau schupft den Service mit Tempo, Geschick und Freundlichkeit. Und die beiden älteren Herren schauen öfter vorbei und helfen manchmal noch aus.

Schon nach dem Eintreten wurde dem Vorkoster klar: Das hier ist kein Geheimtipp. Das Gebäude gehört zu den ältesten im Dorf, hat den Schnitt eines Bauernhauses behalten – und die Stuben waren voller Gäste, junger und alter, Familien und Freundesgruppen, dem Dialekt nach vor allem Bayern, ein paar Nordlichter, ein paar Salzburger. Fröhlich ging’s zu, was immer Schlimmes die Welt bedrückt, hier blieb es draußen. Und eine gute Stimmung ist ja schon das halbe Abendvergnügen.

Der Vorkoster vergibt: 13 von 20 Punkte

Wie bayerisch legt Oberholzner die Karte an? Gar nicht. Österreich ist vertreten, Frankreich, auch Thailand. Die Vorkosterin begann zu schnurren: Garnelen in hauchdünn-knusprigem Backteig, süßsaure Sauce mit milchsäuerlichem Salat (€ 9,90), ganz reine Aromen. Das ist der Klassiker hier, „die Gäste wollen das“, erfuhren wir, als wir nach der internationalen Streuung des Angebots fragten. Das Zweierlei vom Kalb war dann heimisch: geschmorte Backerl, gebratenes Medaillon, sehr gute Sauce samt Erdäpfelpüree (€ 21,90), ein angenehmer Sattmacher. Der noch Platz ließ für einen Teller Sorbets mit Früchten (€ 7,90). Grüner Apfel, Mango, Blutorangen, jeder Ton genau eingefangen.

Den Bib Gourmand verdient sich der Betrieb vor allem mit dem Menü: vier Gänge um 37 Euro. Beginnend mit einem perfekten Rinds-Carpaccio, das Fleisch saftig, nicht zu dünn aufgeschnitten, mild mariniert, ein Vergnügen. Kürbissuppe folgte, mit Curry aufgepeppt. Die gebratene Ente schaffte das Kunststück, mürb-saftig zu bleiben unter krosser Haut, würzig das Blaukraut dazu – und die Erdäpfelknödel erinnerten die Vorkosterin an die Waldviertler Tante selig, die bekam die auch so toll hin. Zum Schluss versammelte sich Gutes auf dem Dessert-Teller: Parfait. Mousse und Topfenknödel zum Mitsingen.

Apropos: Wer guten österreichischen Wein preiswerter trinken mag, sollte hierher über die Grenze kommen – es gibt vieles, was das Herz begehrt, ohne den Geldbeutel allzu sehr zu leeren. Zum Beispiel einen Heideboden von Hannes Reeh um 31 Euro.

Gemütliche Stuben, beste Stimmung, haubenwürdiges Essen – ein Dank an die Tippgeber.

Lohmayr Stub’n
Salzburger Straße 13
83451 Piding
Tel. 0049/8651/714478
Dienstag und Mittwoch Ruhetag
www.lohmayr.com

Der Vorkoster

Er  testet anonym die Gastronomie – und gibt unbestechliche Urteile ab.  Exklusiv im „Fenster“.

Unsere Punktewertung orientiert sich an internationalen Regeln: 20 Punkte sind der Höchstwert.  9 Punkte und darunter: Kost mit groben Mängeln. 10 Punkte: deutliche Mängel. 11 Punkte: durchschnittliche Kost. 12 Punkte: gute Kost. 13 und 14 Punkte (eine Haube): sehr gute Kost. 15 und mehr Punkte (zwei bis vier Hauben): exzellente Kost.