Und sie lesen doch …

Junge Leute, die Bücher lieben? Gibt es. Viele. In der Stadt Salzburg treffen sich einige auch regelmäßig zum Buchgeplauder.

PISA lässt stets Schlimmes vermuten. Doch wer denkt, junge Menschen lesen nicht, der wird im Internet eines Besseren belehrt. Bis zu 50.000 Fans verzeichnen da die deutschsprachigen Buchblogs, die meisten Nutzer sind Mädchen und junge Frauen. Und: Man liest nicht nur, man tauscht sich aus. Das gemeinsame Erleben spielt heute in der Welt der Bücher eine gewichtige Rolle.

Das bestätigt Stephanie Baier: Bis zu 100 Bücher im Jahr verschlingt die 28-jährige Salzburgerin. Und sie lässt andere  an ihrer Lektüre teilhaben. Auf ihrem Buchblog „Beauty Books“, aber auch im Johanneskeller in der Dreifaltigkeitsgasse im Gebäude der Rupertus Buchhandlung. Einmal im Monat trifft sich dort „The Reading Club“, ein Lesetreff, den Baier mit  Nina Chizzola im April 2016 gegründet hat.

In der Stadt gebe es nämlich zu wenig Angebot für junge Leser, findet sie. „Ich gehe total gern auf Lesungen, bin in Salzburg aber immer die Jüngste.  Man sieht da nur Grauhaarige mit Weingläsern“, meint Baier lachend. Was sie noch stört: Im heimischen Literaturbetrieb werde die Unterhaltungsliteratur außen vor gelassen. „Ursula Poznanski ist da schon ein Highlight“, weiß Baier, die selbst „querbeet alles liest“, was ihr Interesse weckt.

Ohne Buch geht bei ihnen gar nichts: Stephanie Baier (links) und Sabine Niedermayr vom Lesetreff „The Reading Club“. Bild: Suchanek

 

Belletristik, Unterhaltungsliteratur, Fantasy und Jugendromane werden  im Lesetreff   gleichwertig behandelt. „Wir stellen jeden Treff unter ein Motto. Wer will, kann Bücher dazu vorstellen. Wir sind offen für alle Genres“, so Baier. Wir, das sind aktuell zehn junge Frauen zwischen 20 und 35 Jahren. Eine davon ist Sabine Niedermayr, die selbst als Autorin tätig ist. Sie hat bereits fünf Fantasy- und Kinderbücher über einen deutschen Verlag herausgebracht. Für eine Autorin seien die sozialen Netzwerke wichtig, als Leserin ziehe sie den persönlichen Kontakt vor: „Es ist viel schöner, wenn man sich gegenübersitzt und miteinander redet“, sagt Niedermayr. Zwar informiert sie sich auch im Internet, zum Schmökern geht sie mit ihren Kindern aber gern in eine Buchhandlung.

Social Media und Lesetreff – unterwegs in beiden Welten

Virtuelle und reale Welt schließen sich bei den jungen Lesern nicht aus. Und das elektronische Lesegerät gehört für sie genauso dazu wie das gute alte Buch. „Wenn ich eine Handtasche kaufe, teste ich immer, ob ein Buch Platz hat“, lacht Stephanie Baier.

Während Lesetreffs in anderen Ländern gang und gäbe  sind, wisse sie in Salzburg von keinem weiteren. Das Interesse sei  aber da, das bestätigen Rückmeldungen, so Baier. Wächst ihr Treff an, möchte sie auch Wohnzimmerlesungen organisieren. Denn das Persönliche fehlt den Jungen in Salzburg.  Und die Wertschätzung von Buchbloggern. In Deutschland sei das anders. Dort vergeben Blogger bei der Frankfurter  Buchmesse heuer gar  einen Preis.

Von Petra Suchanek