„Die Italienerinnen busseln uns regelrecht ab“

Was ein lebender Glücksbringer so alles erlebt, erzählt Rauchfangkehrer-Innungsmeister Kurt Pletschacher im aktuellen Beitrag unserer Serie „Jobgeschichten“.

Ganz in Schwarz, glückverheißend, mit rabenschwarzen Fingern: Kurt Pletschacher ist Innungsmeister der Salzburger Rauchfangkehrer.

Glauben Sie ans Glück?
Ja, auf alle Fälle. Ich habe auch nicht mehr Glück als andere, aber der Glaube versetzt  bekanntlich Berge.

Der Rauchfangkehrer gilt  als wandelnder Glücksbringer. Warum?
Das begann im Mittelalter. Früher wurden die Häuser in Holzbauweise errichtet, auch die Kamine 45 mal 45 Zentimeter. Die waren schliefbar, das heißt, der „Russer“ musste hineinkriechen und mit dem Schereisen an je zwei Seiten Pech, Harz und Ruß entfernen. Das war wichtig, denn wenn es gebrannt hat, dann suchte so eine Feuersbrunst immer gleich mehrere Häuser und Straßenzüge heim. Vor 1650 war die Arbeit der Rauchfangkehrer noch nicht organisiert, das heißt, man hatte großes Glück, wenn man einen erwischt hat.

Streicht er einem mit der rußigen Hand über die Wange, soll das besonderes Glück bringen.
Das kenne ich. Andere möchten unbedingt den goldenen Knopf an meiner Uniform berühren, fassen dann an den eigenen und halten ihn bis zum nächsten Postkastl fest. Schafft man das, ist einem Glück beschert, heißt es.

Sind Sie als Glücksbote zu Silvester im Großeinsatz?
Vor 20, 25 Jahren haben uns Wirte eigens bestellt, damit wir ihren Gästen zu Silvester Glückwünsche überbringen. Bei Hochzeiten haben wir Torten überbracht. Das alles hat sich aber ziemlich aufgehört.

Ihre Hände sind schwarz. Geht der Ruß je runter?
Der Schmutz geht mit Hirschkernseife gut weg. Unser Winter-Rußgewand ist mit Leder besetzt und schwer zu reinigen. Da sollte man besser nirgends ankommen, sonst macht man alles schwarz, inklusive Kundschaft.

Aber das Rußgewand ist Pflicht?
Ja, ohne geht kein Rauchfangkehrer aus dem Haus. Dazu gehört das eigentliche Gewand mit den goldenen Knöpfen – weil Maria Theresia seinerzeit die Konzession vergab, erhielten die Rauchfangkehrer so etwas wie einen Beamtenstatus –, das Kehrhäuberl, der Koppl (Ledergurt) und festes Schuhwerk. In alter Zeit waren die Kaminkehrer ja in Schlapfen unterwegs bis zum Kamin und kehrten ihn dann barfuß ab. Diesen Schmutz brachten sie logischerweise gar nimmer weg.

Und heute? Steigen Sie überhaupt noch ein?
Das sind die Ausnahmen geworden, in der Altstadt und bei alten Bauernhöfen auf dem Land. Da darf man nicht klaustrophobisch sein. Früher war das ein beinharter Knochenjob, heute ist es eher ein technischer Beruf. Schwindelfreiheit ist aber nach wie vor ein Muss. Heute wird im Salzburger Raum in aller Regel vom Dach aus gekehrt und dann vom Keller aus die Fangsohle entleert.

Geht Ihnen angesichts alternativer Heizformen allmählich die Arbeit aus?
Nein, Kachelöfen und Kamine liegen stark im Trend, unsere Arbeit ist also abgesichert. Außerdem beschäftigen wir uns mit feuertechnischen Überprüfungen, Abgasmessungen, Feuerbeschauen oder Bauverhandlungen und erstellen Energieausweise. Ich blicke positiv in die Zukunft.

Blicken wir doch mal zurück. Wie sind Sie zu Ihrem Job gekommen?
Mein Vater hatte ein Kohlenfachgeschäft und mir hat der Kontakt zu den Menschen und die Arbeit auf dem Dach einfach gefallen. Da habe ich es probiert und daraus sind fast 40 Jahre geworden.

Würden Sie es noch einmal machen?
Ja, es ist ein schöner Beruf. Ich bin gern ein Blickfang und Glücksbote. Am ärgsten sind die Italienerinnen in der Getreidegasse. Die sind ganz verrückt nach uns Rauchfangkehrern und busseln uns regelrecht ab.

Da spielt man dann halt bereitwillig mit, oder?
Hmm (lacht). Sagen wir es mal so: Man will ja niemandem sein Glück verwehren.

Daten & Fakten:
  • Es gibt 39 Rauchfangkehrer-Betriebe in Land und Stadt.
  • Zwölf der insgesamt 39 Rauchfangkehrer-Unternehmen finden sich auf dem Gebiet der Stadt Salzburg. Jedem ist ein bestimmtes Kehrgebiet zugewiesen, wobei der Kunde stets das Wahlrecht auf eine Alternative hat.
  • Erste organisierte Kehrbezirke entwickelten sich um 1650 durch den damaligen Erzbischof Paris Graf Lodron.
  • 2000 Euro brutto verdient ein Geselle ab dem 5. Jahr. Heute ist der Beruf ein vornehmlich technischer.
  • 15 Lehrlinge lassen sich gerade ausbilden, die Berufsschule für den Salzburger Nachwuchs ist in Linz.

Von Sigrid Scharf