„Bei Armut hilft nur Bildung“

Ein Filmemacher will Kinder in Rumänien aus dem Elend holen.

Kurt Bauer hat schon immer hingesehen. Auf die Armut, auf Schicksale, auf erschreckende Lebensumstände. Als Filmemacher beim Freien Fernsehen Salzburg hat er in den letzten Jahren soziale Notlagen aufgezeigt. Jetzt will er selbst etwas verändern. Das Schlüsselerlebnis hatte er in einem rumänischen Ghetto. „Ich stand da mit der Kamera, um mich herum nur Elend“, erzählt der 69-Jährige. „Ich konnte nicht einmal die Kamera gerade halten, weil ich so zitterte.“

Die Dreharbeiten waren für sein neuestes Filmprojekt: In „Hallo Frau Roma“, der im Jänner im Das Kino gezeigt wird, beschäftigt er sich mit den Lebensumständen der Roma-Frauen in Rumänien. „Frau sein bei den Roma gleicht Sklaverei“, erzählt er. „Sie haben keine Perspektive.“ Ähnlich geht es dem Nachwuchs. Viele Eltern verbieten ihren Kindern, in die Schule zu gehen. „Bildung wäre aber der einzige Weg aus dieser Armut“, sagt Bauer.

Deshalb hat er zusammen mit dem rumänischen Pfarrer Eginald Schlattner den „Roma-Bildungsscheck“ ins Leben gerufen. Mit dem durch Spenden gesammelten Geld soll Roma-Kindern der Schulbesuch ermöglicht werden. „Finanzielle Anreize sind leider die einzige sinnvolle Möglichkeit, den Roma zu helfen“, meint Bauer. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Sachgüter nichts brächten. „Einmal hat eine Familie Solarpaneele bekommen, damit sie Strom haben. Zwei Wochen später haben sie die Paneele verscherbelt.“

„Viele wollen ihr Leben gar nicht besser machen“

Roma seien hinterlistig und geldgierig – so lautet das in unserer Gesellschaft weitverbreitete Klischee. Kurt Bauer sieht auch Wahres daran: „Die Roma können dir schon auf der Nase herumtanzen, das stimmt. Aber man darf niemals alle in einen Topf werfen.“ Das Schwierigste sei für ihn aber, dass viele Roma-Familien gar nichts an ihrer Situation ändern wollten. „Die leben unter schrecklichen Umständen und wollen daraus nicht ausbrechen. Auch wenn sie es könnten.“ Es ist also ein Teufelskreis: Die Lebensumstände werden von Generation zu Generation weitergegeben. Auszubrechen versuchen nur die wenigsten und wenn, dann bleibt ihnen nur der Erwerb durch Betteln.

„Die einzige Möglichkeit, diese Armut langfristig zu bekämpfen, ist Bildung“, sagt Kurt Bauer. „Die Kinder muss man da rausholen, damit sie es später selbst anders machen können.“ Mit dem „Roma-Bildungsscheck“ will Kurt Bauer dies ermöglichen.

Unterstützer können sich bei ihm informieren: roma.bildungsscheck@gmx.at

Von Katharina Maier