Zirkus und Deutsch als Turbo

In der Volksschule Parsch gelingt die Integration der fast 50 Prozent Zuwandererkinder. Einen wertvollen Beitrag leistet das Zirkusprojekt, das an der Schule läuft und der straff organisierte Deutsch-Zusatzunterricht.

Während Lorenz (3B) aus Salzburg das Diabolo in die Höhe schleudert und wieder auffängt, leuchten seine Augen: „Ja!“, ruft der Neunjährige. Shylane (3C), deren Eltern von den Philippinen kommen, wirbelt die Jonglierbälle durch die Luft. Und Hussein (3C) aus Syrien lächelt, als er es schafft, das rote und das blaue Tuch zu jonglieren.  Die drei Schüler der Volksschule Parsch genießen es, in den Pausen ihre Fähigkeiten an dem Zirkusmaterial ausprobieren zu dürfen.   Auf den Gängen jonglieren, das dürfen die Schüler der VS Parsch manchmal sogar während des Unterrichts – wenn sie  „anstehen“.

Wenn sie zeigen, was sie können, machen Kinder „auf“

Was Zirkus an einer Schule zu suchen hat? Sehr viel, ist man sich in  Parsch sicher. Mit  Direktorin Martina Fantl hielt 2011 ein frischer Wind Einzug. „Wie können wir die Kinder aus den verschiedenen Ländern und Kulturkreisen zusammenführen?“, hat sie sich damals mit ihrem Lehrerteam gefragt. Die Antwort lautete: die Fähigkeiten aller Kinder zutage kommen lassen, damit sie „aufmachen“.

Beim Jonglieren ist die Herkunft egal

Da kam das Projekt des Halleiner Zirkuspädagogen Heimo Thiel gerade recht. Bei ihm können Kinder am Einrad, beim Jonglieren usw. die motorischen und kreativen Fähigkeiten ausleben. Rund 70 Kinder nehmen regelmäßig am Zirkus-Workshop teil. Alle anderen bedienen sich nach Lust an Bällen, Tüchern, Diabolos, die in Zirkuskisten in den Klassen bereitstehen. Manche Kinder, heißt es in der Schule, seien dabei erst so richtig aufgeblüht. Und: Durch das Jonglieren sei vielen der Knopf für  Rechnen oder Lesen aufgegangen. Etliche Zuwandererkinder sind laut Fantl durch das Zirkustraining erst richtig angekommen. Denn beim Jonglieren, das alle Lehrer der Schule inzwischen gelernt haben, ist die Herkunft egal.

Die Sprache ist der Schlüssel

„Erst wenn wir die Kinder bei ihren Stärken getroffen haben, schauen wir, welche Defizite sie haben“, so  Fantl. Zum Beispiel, ob jemand Legastheniestunden braucht – oder Deutsch-Zusatzunterricht für Kinder von Migranten. Was früher auf mehrere Lehrer  aufgeteilt war, hat die Schulleiterin in  die Hände einer Frau gelegt: Die ausgebildete Sprachzusatzlehrerin Monika Adlgasser kennt den Sprachstand jedes einzelnen Kindes. Fast die Hälfte der 220 Schüler hat Migrationshintergrund. „Die Sprache ist der Schlüssel“, sagt Adlgasser. Die Zuwandererkinder könne man nur integrieren, wenn sie  Reden, Lesen, Schreiben gut lernten.

Von ihren Eltern fordert man Zusammenarbeit, etwa, dass sie zum Schulfest eine Speise aus ihrem Land bringen. Traditionen wie Nikolausbesuch oder Krippenspielaufführung seien eine Selbstverständlichkeit. „Die Integration läuft hier echt gut“, sagt Elternvereinsobfrau Eva-Maria Wrba. „Egal ob im Pausenhof oder bei Schulfesten, hier herrscht ein Miteinander.“

Von Sabine Tschalyj