Salzburgs quirligster Haufen: SEAD bringt Schwung in die Stadt

In der Schallmooser Hauptstraße 48a pulsiert das Leben. Auch spätabends leuchtet da  noch Licht in den Tanzstudios. Leidenschaft kennt keinen Feierabend und hier in der Salzburg Experimental Academy of Dance, kurz SEAD genannt, sind Studierende am Werk, denen Bewegung alles bedeutet.

Der Körper ist ihr Ausdrucksmittel, die Sprache universell. Das trifft sich gut bei  100 Studierenden aus 30 Nationen. Diese gehen nach dem Unterricht nicht einfach nach Hause, da wird  noch  geprobt, geplant und geplaudert. Bei einem Pflichtprogramm von acht bis neun Stunden täglich, exklusive Mittagspause kommt da einiges zusammen.

Emanuel Gat/ Bodhi Project SEADsketches 28. Oktober 2016 ARGEkultur

Emanuel Gat/ Bodhi Project
SEADsketches
28. Oktober 2016 ARGEkultur

Apropos Mittagspause: In dem kleinen Café im Erdgeschoß, das als Mensa dient, offenbart sich einem ein babylonisches Stimmengewirr.  Coole Burschen mit Männerdutt und hübsche Mädels in  Trainingshosen essen Pasta –  Gelächter und fröhliche Gesichter überall. Manche entspannen bei Musik, andere reichen selbst gemachte Quiche herum. Unter die Studierenden mischen sich auch Eltern mit Kindern, man darf sich die Tanzakademie nämlich nicht als hermetisch abgeriegelten Ort vorstellen. Hier wuseln  tanzbegeisterte Laien aller Altersgruppen herum, die sich im offenen Kursprogramm, das die Akademie begleitet, austoben.

Wie ist das eigentlich, an der SEAD zu unterrichten? „Die Studierenden sind extrem motiviert, sie sind richtig hungrig auf das Training“, sagt einer der Dozenten, der Brasilianer Riccardo Ambrozio. Sein britischer Kollege Jos Baker pflichtet ihm bei: „Sie haben ganz unterschiedlichen Background und bringen viel kreatives Potenzial mit, das sie auch bei den Choreografien einbringen.“ Die beiden proben mit ihren Schützlingen gerade für das Xmas Showing (siehe unten).

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Michel Briand (23) und Giulia Tornarolli (24) tanzen beim Xmas Showing. Bild: Suchanek

Zwei, die da ihr Können zeigen, sind  der Schweizer Michel Briand (23) und die Italienerin Giulia Tornarolli (24). Für Tornarolli war von klein auf klar, dass  Tanz in ihrem Leben einen besonderen Platz hat: „Das Einzige, das mich immer gefesselt hat, war der Tanz. Er ist so vielseitig.“ An der SEAD fasziniert die beiden die Energie vor Ort, und die Vielfalt des Unterrichts. Denn die Dozenten wechseln alle fünf bis sechs Wochen, so lerne man viele unterschiedliche Zugänge zu Technik und Ausdruck. „SEAD lehrt dich, offen zu sein und dein Bestes zu geben“, sagt Michel.

Hinter dem Aufbau der SEAD stecke harte Arbeit, die Anfangsjahre seien von Zweifel begleitet gewesen, sagt  die Leiterin Susan Quinn, die  jüngst mit dem Kunstpreis des Kulturfonds der Stadt Salzburg ausgezeichnet wurde. Heute zählt die SEAD zu den renommiertesten Akademien für zeitgenössischen Tanz. Mehr Aufmerksamkeit wünscht sich Quinn von der Politik, denn Tanz sei bei der Subventionsvergabe nach wie vor hintangestellt. Wenn man für etwas brennt, gibt es ohnedies keine Alternative. Oder wie  Ambrozios Choreografie beim Xmas Showing frei nach Charles Bukowski titelt: „Find what you love, and let it kill you.“

Aufführungen SEAD

Xmas Showing
14. und 15. Dezember, 19 Uhr:
Es tanzen Studierende des 3. und 4. Jahrgangs. Tickets: 14,–/7,– Euro

Xmas Matinee
14. und 15. Dezember, 11 Uhr:
Matinee für Schulklassen und
interessierte Gruppen.
Anmeldung: info@sead.at

Von Petra Suchanek