Essen wie Carl Zuckmayer

Die Vorkosterin verehrt Carl Zuckmayer, folgt vergnügt seinen verwinkelten Sätzen voller Menschlichkeit. Sie wäre deshalb jahrelang gern eingekehrt in des Meisters Lieblingswirtshaus, in das „Bräu“ in Henndorf – ging aber nicht, war geschlossen. Bis jetzt, nun hat es wieder aufgesperrt.

Seit 1. September ist Udo Höller mit seiner Frau der neue Pächter. Die „Salzburger Nachrichten“ verpackten diese Neuigkeit in eine Geschichte über das Wirtshaussterben: geschlossen der Röhrenwirt in Wals, der Lindenwirt in Hintersee, der Kirchenwirt in Salzburg-Itzling, nicht zu vergessen das Bräu in Lofer. Um zu zeigen, dass in Henndorf jemand gegen den Trend seltenen Mut beweist. Immerhin schloss der 37-jährige gebürtige Pinzgauer einen Fünf-Jahres-Vertrag ab.

Der Name nimmt die Tradition des Hauses auf. Caspar war der Letzte aus der Moser-Familie, die von 1786 bis 1909 das Haus führte. Berühmt aber wurde es unter dessen Neffen Richard (der Kammersänger) und Carl Mayr (der Wirt) in den 1920er-Jahren als Mittelpunkt einer Künstlerkolonie – womit wir bei Zuckmayer wären. Der lebte zwölf Jahre in der nahen Wiesmühl, „selbsterwählte Heimat und wo ich mein irdisches Dasein auszuleben hoffte“. 1938 floh er, wie viele andere, vor den Nazis. Und kehrte 1970 besuchsweise zurück. Wobei er dem Bräu ein liebevolles Denkmal schrieb.

Der Vorkoster vergibt: 12 von 20 Punkten.

Wir näherten uns mit den Beschreibungen im Kopf dem „alten Bräu, dem Henndorfer Palazzo Vecchio“. Innen gibt es einen großen, lichten Essraum – aber als Besonderheit die Gaststube: „Die Gams- und Rehkrickerl an den Wänden, der hohe dunkelgrüne Tiroler Kachelofen, schachbrettartig gewürfelte Holztäfelung aus dem Empire“ samt gemalten Rosen in verschiedenartigen Vasen. Dort servierte man dem Meister (wie uns auch) einen voll gehäuften Teller. „Und auf dem Tisch, als wäre es ein Tischleindeckdich, steht plötzlich die hergebrachte ,Zuckmayer-Jause‘: rosig durchwachsener Bauernspeck, ein Doppelstamperl mit klarem Obstler, ein kühles Bier, ein Stück Mondseer Käs, frisches Schwarzbrot.“ Zuckmayer muss ein Fleischtiger gewesen sein: „Und es erfüllte mich ein sagenhaftes und zeitloses Behagen.“ Tatsächlich ein schön ursprünglicher Genuss.

Der kochende Wirt Udo Höller hatte „gutbürgerliche Küche auf mittlerem Preisniveau“ versprochen. Eine Knoblauchrahmsuppe (€ 3,80) erwies sich als angenehm scharf-bitter, ohne zu schwer zu werden. Nun kann man Teller sicher schöner anrichten als das gesottene Rindfleisch (€ 14,50), aber das Fleisch war tadellos mürbe, die Sauce krengeschwängert, der Spinat aromatisch und jede Bratkartoffel, wie sie sich gehört. Richtig gut gelang der Kaiserschmarrn (€ 9,80), mundfüllend mollig, kontrastiert von schön säuerlichem Zwetschkenröster.
Was das Essen anging, liebte es Zuckmayer bodenständig. Er hätte sich sicher wieder wohlgefühlt im neu eröffneten Bräu.

Wo denn das berühmte Spukzimmer sei, wollten wir wissen. Die Bedienung deutete mit dem Kopf nach oben. Wer oder was dort spuke, wisse sie nicht. Und leider sei es versperrt und der Schlüssel liege bei der Gemeinde. Wir werden schon noch hineinkommen.

Caspar Moser Bräu,
Hauptstraße 61, 5302 Henndorf,
Telefon: 0664/4197816,
Dienstag Ruhetag.

Der Vorkoster

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