Sie führt das Werk ihres Mannes fort

Evelyn Daxner begeistert Salzburg für den modernen Circus. Nachdem ihr Mann 2014 auf dem Untersberg tödlich verunglückte, übernahm sie mit Gleichgesinnten das Ruder. Heute ist das Winterfest die drittgrößte Veranstaltung im Land.

Georg Daxner hätte das gefreut. Der Intendant und Erfinder des Winterfests hatte jahrelang mit einer Art Zirkusschule geliebäugelt. Menschen, die  im Zuge des Festivals im Volksgarten die Akrobaten bestaunen, sollten irgendwo die Möglichkeit und den Platz bekommen, es selbst zu probieren.
Nun scheint ein großer Schritt getan. So gibt die Politik jetzt die Mittel frei, ein solches Zirkustrainingszentrum zu errichten. Angedockt an den Bildungscampus Gnigl wird ein permanentes Zelt aufgebaut, in dem Menschen vom Kleinkind bis zum Erwachsenen Zirkuskünste erlernen können.  Mit dem Schuljahr 2017/18 wird es seinen Betrieb aufnehmen.

Georg Daxner, der ohne klassische Ausbildung in dem Bereich, aber mit umso mehr   Herzblut  den Cirque Nouveau ab 2001  nach Salzburg holte und schließlich zum Festival  etablierte, wird das nicht mehr miterleben.
Er verunglückte im Oktober 2014 auf dem Untersberg tödlich. Doch trotz Schock und Trauer – „einen Gedanken ans Aufhören habe ich zu dieser Zeit nicht verschwendet“, sagt seine Ehefrau Evelyn Daxner. Der sei erst später mit der Anstrengung  gekommen. Denn schließlich habe sie neben der Fortführung des Werks ihres Mannes auch noch einen 40-Stunden-Job als Lehrerin. Und vier gemeinsame Kinder.

Motivierte Menschen teilten sich die viele Arbeit auf

Geholfen haben ihr couragierte Menschen in ihrem Umfeld. Der Organisation des Winterfests hat sich Susanne Tiefenbacher angenommen. Wilfried Haertl, ehemaliger Geschäftsführer der Heimat Österreich und langjähriger Freund der Familie, unterstützte sie bei ihrem Engagement in der Nachwuchsarbeit.
„Wir hatten dieses Projekt  bereits mit Georg entwickelt. Da steckten wir  so weit drinnen, dass wir das  nicht mehr bleiben lassen konnten“, sagt er, der wie Evelyn Daxner  im Vereinsvorstand Circus Schulen in Österreich sitzt.

Beide sind sehr glücklich darüber, ihrer Vision einer Zirkusschule in Salzburg näher gekommen zu sein. Sie orten eine große Begeisterung der Menschen für den Cirque Nouveau.
„Bei Kindern ist das, wie wenn man einen Sternspritzer anzündet, bei Erwachsenen wie eine Fackel – da dauert es etwas länger“, sagt Daxner. Wer aber einmal Feuer gefangen habe, der komme nur mehr schwer los. Man  erlebe durch die Akrobatik  Freude und spüre den eigenen Körper ganz anders. „Es geht darum, gemeinsam etwas zu schaffen. Der Funke springt  auf  das Publikum über, wenn sich die Truppe gemeinsam anstrengt.“

Es gibt sie bereits – die Nachwuchstalente

Eine Zirkusgemeinde existiert hierzulande bereits. So kamen in den vergangenen sechs Jahren rund 150 Schüler der Volksschule Anthering in den Genuss von Zirkuskünsten im Unterricht. Auch im BRG Akademiestraße ist die Akrobatik sehr beliebt. Eine Konstante bildet  der Verein MOTA rund um Wolfgang und Bruni Neumayer mit 200 Mitgliedern – Tendenz steigend. Seine Leute werden  die „Rohdiamanten“ im neuen Zirkustrainingszentrum  trainieren.  Daxner geht davon aus, solche zu finden. „Beim Zirkus ist es ähnlich wie in  der Musik und im Tanz. Es braucht eine Basisausbildung, um später an einer internationalen Schule Aufnahme zu finden. Wer da mit 18 anfängt, ist  zu spät dran“, erklärt sie ihren Zugang.

Rund 80 heimische Talente standen bereits 2015 im Zuge einer Riesenproduktion  auf der Bühne des Winterfests. Und auch heuer wird den heimischen Artisten zwei Tage lang ein Schwerpunkt eingeräumt. Mit 29.000 Besuchern im Vorjahr ist das Winterfest mittlerweile nach den Sommerfestspielen und dem Adventsingen die drittgrößte Veranstaltung im Land.

von Sigrid Scharf