Personalnot im Tourismus

Viele wollen in unseren Hotels absteigen, dort arbeiten wollen aber nur wenige.

Warum wollen Einheimische nicht mehr in der Branche arbeiten, die wir Österreicher ansonsten voller Stolz vor uns hertragen? Der Tourismus – dieser angeblich in unserer DNA verankerte Ausdruck der Gastfreundschaft, die so unersetzbar wichtige wirtschaftliche Stütze.

Man hat sich zu lang vieles schöngeredet, tut das teilweise immer noch. Der Berufszweig hat ein massives Imageproblem – nicht beim Gast wohlgemerkt, aber bei den potenziellen Arbeitskräften.
Das sorgt für Frust. Unter der Hand wird so mancher Gastronom deutlich: Gerade die junge Garde sei nicht mehr bereit, hart zu arbeiten, könne mit dem Stress nicht umgehen, die Freizeit sei wichtiger als das berufliche Fortkommen.

Diese Argumentation mag nicht ganz aus der Luft gegriffen sein, man macht es sich damit aber zu leicht. Schlechte Bezahlung, raue Umgangsformen, unbezahlte Überstunden – es sind nicht zuletzt die Sünden der Vergangenheit, die man nicht mehr loswird. Und im Gespräch mit Brancheninsidern wird eines schnell klar: Diese Sünden werden mitunter noch immer begangen.
Trotz massiver Bemühungen dringen die Betriebe derzeit nicht zu den Arbeitssuchenden durch. Selbst Fünf-Tage-Woche, schöne Personalwohnungen und Überzahlung reichen nicht aus, um Junge oder Umsteiger zu überzeugen.

Die Zahlen sind erschreckend: Über 1000 Köche fehlen den Salzburger Betrieben kurz vor Beginn der touristischen Wintersaison. Außerdem werden zahlreiche Servicemitarbeiter gesucht. Mit sehr mäßigem Erfolg, obwohl beim AMS gar nicht so wenige als suchend gemeldet sind. Aber wieder dasselbe Bild: Der Tourismus zieht nicht.

Nicht nur die Unternehmer sind gefordert, auch die Politik muss handeln. Schließlich ist der Tourismus als Wirtschaftszweig für viele Regionen des Landes überlebenswichtig. Eine Imagekorrektur braucht allerdings Zeit. Zeit, die ein Hotelier, der in drei Wochen seinen Betrieb aufsperren möchte, nicht hat.

Kurzfristig wird nur eines helfen: Hundertschaften weiterer Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen. Sie halten in Wahrheit schon seit Jahren das „Werkl“ am Laufen. Und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein, die das Schnitzel kochen und das Seiterl servieren.

Michael Minichberger