Taten statt Worte: Zwei Ärzte teilen sich den Job

Gemeinsam statt einsam, miteinander statt nebeneinander. Christoph Dachs und Miriam Lainer, beide praktische Ärzte im Tennengau, teilen sich eine Ordination – zum gegenseitigen Nutzen und dem ihrer Patienten. Ein Zukunftsmodell.

Lange Zeit war es vor allem für praktische Ärzte nur möglich, ganz oder gar nicht zu arbeiten. Wobei die Option „ganz“ die 40 Wochenstunden eines konventionellen Vollzeitjobs in aller Regel sprengte. „Viele wollen nicht mehr in diesem Ausmaß  und als Einzelkämpfer schuften“, sagt Christoph Dachs, Allgemeinmediziner in Hallein-Rif.

Er teilt sich deshalb in seiner Ordination mit jungen Kollegen den Job.  Aktuell hat er mit Miriam Lainer ein solches „Jobsharing“-Modell  in der Pipeline.
Die Adneterin sieht  Vorteile für sich: „Ich habe vier Kinder, der Jüngste geht erst in die Volksschule. Da braucht es jemanden, der sich um die Familie kümmert – und das mache ich  gern. Aber vor diesem Hintergrund wäre es mir nicht möglich, allein eine Ordination zu betreiben.“ Im Teamwork mit Dachs ist sie drei Mal die Woche fix im Einsatz.

Gute Vereinbarkeit mit der Familie möglich

Sie nutzt  seine Räume mit und stellt dem älteren Kollegen auf selbstständiger Basis Honorarabrechnungen. Ihre Zusammenarbeit wird für ein Jahr geregelt und kann auf Wunsch verlängert werden. „Mit der Familie lässt sich das gut vereinbaren“, sagt Lainer.

Auch die Patienten profitieren: zum einen von längeren Öffnungszeiten, zum anderen haben sie zwei fixe Ansprechpartner. Der  Patient geht – was immer auch ansteht  – an den gewohnten Ort und weiß dort jemanden, der  auf  seine Daten zugreifen kann. Lainer ist  regelmäßig  in der Praxis und  lernt mit der Zeit alle Patienten  kennen. „Diese Gemeinsamkeit nehmen die Leute erfahrungsgemäß gut an“, sagt Dachs.

Beide Ärzte bezeichnen ihr Modell als Win-win-Situation. Die „Junge“ profitiert von  der geballten Erfahrung ein Zimmer weiter. Dem „Alten“ wird viel Druck  genommen.  Er kann sich mehr Zeit für den einzelnen Patienten nehmen, ohne Angst haben zu müssen,  den Rückstau im Wartezimmer nicht mehr zu bewältigen. Das Einzelkämpfertum sei ohnedies nicht mehr zeitgemäß, sagt Dachs und sieht die internationale Entwicklung auf seiner Seite. In Studien befragt, würden sich die meisten Hausärzte Gruppenpraxen wünschen.

Die Hälfte der praktischen Ärzte geht demnächst in Pension

Er selbst betreibt neben dem „Jobsharing“ mit Lainer bereits eine Praxisgemeinschaft mit einer weiteren Ärztin. Dieses Modell heißt übersetzt: Die beiden  teilen sich Räume und Assistentinnen. Anders als beim „Jobsharing“ hat dabei aber jeder seinen eigenen Kassenvertrag.

Dachs – er ist auch Präsident der Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin  – sieht in solchen Formen der Zusammenarbeit absolut wichtige Zukunftsmodelle.  In einigen Fragen stehen Ärztekammer und Gebietskrankenkasse noch auf der Bremse. „Diese offenen Fragen müssen wir aber angehen“, sagt Dachs – schlicht aus der Notwendigkeit heraus. Zum einen wird die Allgemeinmedizin immer weiblicher. „Es braucht daher Angebote zur Teilzeit-Arbeit. Damit wir auch die vielen Frauen in den Prozess  integrieren, die eben oft nicht Vollzeit arbeiten wollen“, sagt Dachs. Zum anderen steht die Branche vor einer Pensionierungswelle. In den nächsten zehn Jahren geht rund die Hälfte der praktischen Ärzte in Pension.

von Sigrid Scharf