Ihre Energie ist hausgemacht

Das ist einmal eine Bürogemeinschaft der anderen Art: Alexander Gautsch und Christian Dobler betreiben in Liefering eine Internetagentur und produzieren ihren Bürostrom selbst – über ein Solarpaneel auf dem Balkon.

Dessen Spitzenleistung beträgt 150 Watt. Mit dieser Menge an Strom lassen sich wahlweise 65 Scheiben Brot toasten, eine Ladung Wäsche waschen, 35 Tassen Kaffee  oder ein Mittagessen für zwei  zubereiten.

Das Paneel hängt am Netz und deckt zirka 15 Prozent des Strombedarfs im Büro ab, aber auch sonst kommt hier nur zertifizierter Ökostrom aus der Steckdose. Auf das Teil namens Simon  stießen Dobler und Gautsch   über ein „Crowdfunding“-Projekt. Zwei Wiener Erfinder – einer mit dem Vornamen Simon  – entwickelten es Ende 2015. 1000 Stück à 399 Euro landeten zunächst auf dem Markt – um die Serienproduktion zu starten, und wohl auch, um das Marketing anzuwerfen. Mit Erfolg: Die Paneele waren im Nu weg. Die zwei Salzburger legten im Sommer 2016 bereits 600 Euro brutto auf den Tisch. Ihr Paneel hängt nun über dem Balkon im Büro.

„Jeder kann seinen Beitrag leisten“

Einzige Einschränkung: Man muss  den erzeugten Strom unmittelbar verbrauchen. Denn speichern kann Simon  die Energie noch nicht. Das heißt: Wer tagsüber nicht daheim ist, produziert in erster Linie Strom für den Stand-by-Betrieb seiner Haushaltsgeräte. Was wenig sinnvoll ist. „Uns geht es in der Sache um die Demokratisierung der Stromerzeugung. Jeder kann heute selbst Strom erzeugen und sich von den großen Erzeugern unabhängig machen“, sagt Gautsch. Viele würden in Salzburg über die 380-kV-Leitung jammern, „aber sie tun nichts“. Dabei könnte jeder Einzelne seinen Beitrag leisten gegen gigantische Freileitungen und den daran geknüpften  Landschaftsverbrauch.

„Bis der Strom von einem Windenergiepark an der Nordsee im Salzburger Land ankommt, gehen im Übrigen in den Leitungen bis zu 20 Prozent davon verloren“, hat Dobler im Internet recherchiert. Sein „Minikraftwerk“ am Balkon ist freilich nur ein Minibeitrag, aber „wenn viele es gleichtun, kommt auch etwas zusammen“.

In Deutschland sind die Paneele noch verboten

Die Krux: In Deutschland sind derartige Paneele noch verboten. In Österreich hat man sich nach langen Verhandlungen darauf verständigt, dass sie bei den Energieversorgern angemeldet werden müssen. Der Nutzer muss sicherstellen, dass er den Strom auch verbraucht. Und er darf pro Haushalt  nur vier Paneele betreiben.
Aufzuhalten ist die Technologie wohl nicht mehr. Immerhin ist das in Kärnten produzierte Paneel jetzt sogar für den Österreichischen Klimaschutzpreis nominiert. Er wird Mitte November vergeben, Interessierte können im Internet voten.

von Sigrid Scharf