Stadtflitzer: Das Lastenrad entlastet Straße und Gemüt

Wenn er einkaufen geht, dann zieht er die Blicke auf sich. Jene der Männer, wohlgemerkt. „Sie glauben nicht, dass der Inhalt eines vollgepackten Einkaufswagens auf mein Lastenrad passt“, sagt Thomas Schirren und lacht. Wer braucht da noch ein Auto?!

Vor vier Jahren verkaufte der Salzburger Uni-Professor und dreifache Familienvater seinen alten Volvo. Heute ist er überzeugt: „Nie wieder ein eigenes Auto! Ich fühle mich so viel freier.“ Freier? Eigentlich sollte man meinen, die Mobilität sei  gerade mit Familie ohne Privatauto eingeschränkt.  Im Gegenteil, sagt Schirren, der in der Altstadt wohnt: „Wir fahren mit Rad, Roller und Zug. Außerdem bin ich bei zwei Carsharings dabei, falls wir zum Beispiel einmal an den See wollen. Und wenn die Kinder zu unmöglichen Zeiten außer Haus müssen, dann rufen wir ein Taxi.“

Letzteres hört sich nach Luxus an. Darin liege der Denkfehler, sagt Schirren. Ins Auto steigt man und fährt los, ohne an die Kosten zu denken. Doch in Summe sei es viel teurer. „Ohne Auto spare ich mir  im Jahr rund 2000 Euro  für Versicherung, Reifenwechsel, Parkgebühren, Vignette. Da sind Wertverlust  des Autos und Benzinkosten noch gar nicht eingerechnet.“

Mobiles Herzstück der Familie ist das Lastenrad. Damit erledigt Schirren sämtliche Einkäufe, die bei fünf Menschen buchstäblich ins Gewicht fallen. „Jede Woche vier schwere Taschen von der Schranne nach Hause tragen, das würde ich zu Fuß nicht schaffen.“
Für sein Lastenrad  habe er sich aber aus einem anderen Grund entschieden: Als die jüngste Tochter zu groß für den Radsitz, aber noch zu klein zum Selberradeln war, musste eine Lösung her. „Mit Kindern in diesem Alter kann man sich nur schwer bewegen“, weiß Schirren.

Ein Anhänger wäre eine Option gewesen, doch besser gefiel Schirren das Lastenrad  der Marke Yuba Mundo (Katalogpreis: ab 1100 Euro). Man kann es, im Unterschied zu anderen Modellen, auch hinten beladen. Bis zu drei Kinder oder  zwei Erwachsene finden dort  Platz. „Wenn ich jemanden zum Bahnhof bringe, werde ich schon mal zum Rikschafahrer“, lacht Schirren. Bis zu 150 Kilogramm (den Fahrer nicht mitgerechnet) kann man  laut Hersteller transportieren.  Im Winter montiert Schirren Reifen mit Spikes, sonst werde es bei diesem Gewicht auf Eis schnell gefährlich, weiß er. Das mache er aber auch bei  den „normalen“ Fahrrädern.

Lastenräder als Alternative zum Stau: Radboten boomen

Worauf man beim Kauf achten sollte? Will man im Hauseingang parken oder muss man um eine enge Ecke, dann sollte man die Länge des Lastenrads bedenken. Und ganz wichtig:  „Es braucht eine gute Schaltung“, sagt Schirren. Denn wenn die Kette den Berg hinauf sperrt, kommt man  vollbeladen mit Schieben nicht weiter. Angesichts von Stau und Umweltbelastung ist Schirren überzeugt: „Dem Lastenrad gehört die Zukunft in den Innenstädten.“

Dass Lastenräder in Zeiten der Verkehrsüberlastung die Nase vorn haben, weiß Michael Damisch, Geschäftsführer von DieBoten.at.  Er startete im Vorjahr als Ein-Mann-Betrieb, heute beschäftigt er vierzehn Radkuriere.
Auch die  Politik hat das Potenzial der Lastenräder erkannt. Die Stadt Salzburg schießt zum Kaufpreis  25 Prozent (max. 300 Euro) zu. 2016  standen dafür (und für die Förderung von Radanhängern) 10.000 Euro bereit. Der Topf ist bereits leer. Für 2017 müsse neu verhandelt werden, sagt Radkoordinator Peter Weiß. Er hofft wieder auf  Budget. Denn: „Lastenräder sind ideal für die Stadt. Langsam kommt das an.“

Von Petra Suchanek