Öfter mal Danke sagen

Ich möchte Sie etwas fragen. Wann waren Sie zuletzt dankbar? Ich meine die große Dankbarkeit, nicht die kleine, alltägliche. Was der Unterschied ist?

Also, eine kleine Dankbarkeit geht zum Beispiel so: Letztens war mein Großer bei einem Freund zum Spielen eingeladen, und ich bin mit der Kleinen in die Stadt gefahren für einen Mama-Tochter-Nachmittag. Wir haben in der Franz-Josef-Straße geparkt, sind durch die Linzergasse geschnurkt und haben Apfelstrudel gegessen.

Die Salzburger wissen: Mit einem Parkticket in der Innenstadt hast du nicht viel Spatzi, weil auf die ÖWD-Männer noch mehr Verlass ist als auf den Schnürlregen. Ich hab also genug Zeit eingeplant, wieder rechtzeitig zum Auto zu kommen, was mit einer Dreijährigen bedeutet: 45 Minuten. Das wär sich auch ausgegangen – fast. Kurz vorm Ziel musste sie nämlich aufs Klo, eh klar, wann auch sonst, da hab ich sie ins Café Wernbacher geschmuggelt, und schnell geht mit so einem kleinen Kind GAR NIX, deswegen: Wir waren sieben Minuten zu spät beim Auto.

Der grimmige ÖWDler war natürlich schon da und waltete seines Amtes, aber als er mich gesehen hat – abgehetzt, knallrot und mit Schnappatmung –, ist er wortlos davongegangen. Kein Strafzettel! DA war ich dankbar. Das ist so eine kleine Dankbarkeit, die Sie im Alltag ganz bewusst auskosten sollten, wenn Sie sie mal spüren. Die große Dankbarkeit dagegen, die ist für die großen Themen: zum Beispiel dafür, morgens nicht zu jammern, weil Sie aufstehen müssen, sondern dankbar zu sein, dass Sie es können. Oder die lebhaften Kinder nicht zu ermahnen, sondern dankbar zu sein, dass sie gesund und munter sind. Klingt banal? Ist es nicht. Weil wir darauf dauernd vergessen. Wir motzen rum, wir granteln, wir sind sooo gestresst, wir hetzen, wir rackern uns ab.

Und schauen nicht genau hin: Wie gut es uns eigentlich geht. Auf was für einem schönen, reichen Flecken Erde wir leben. Ich bin dankbar, dass es für mich als Mädchen nie eine Frage war, ob ich in die Schule gehen, maturieren und studieren kann. Ich bin dankbar, dass ich genug Geld verdiene, um meinen Kindern warme Jacken und gesundes Essen zu kaufen. Ich bin dankbar, dass wir in Frieden leben, dass ich eine Familie habe und Freunde. Dankbarkeit ist ein sehr demütiges und wichtiges Gefühl.

Karikatur: Thomas Selinger

Karikatur: Thomas Selinger

Wofür sind Sie dankbar? Machen Sie doch kurz die Augen zu und denken Sie nach. Aber bitte erst, nachdem Sie die Kolumne fertiggelesen haben. Vorher muss ich Ihnen nämlich noch was sagen: Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Mareike Fallwickl arbeitet als freie Texterin und Lektorin und betreibt den Literatur-Blog www.buecherwurmloch.at