Der seinen Tesla verleiht

Das „Fenster“ hat eine Testfahrt unternommen.

Mit über 400 PS steht er da, schnittig, zum Verlieben. Kein Schlüssel mehr zu drehen, keine Kupplung, kein Motorengeräusch. Unaufgeregt leise setzt sich der Tesla Model S in Bewegung. Die Fahrleistung übertrifft die eines Porsche oder Ferrari. Von 0 auf 100 beschleunigt er in nicht einmal drei Sekunden. Es drückt einen in den Sitz, man wähnt sich in der Formel 1. Dabei ist es die Halleiner Landstraße, auf der wir unterwegs sind. Phasenweise mit dem Autopiloten, ohne Hände am Steuer. Und immer guten Gewissens, denn ein Tesla verpestet die Umwelt nicht.
Das Luxusauto mit Elektroantrieb gehört Kaiserhof-Hotelier Richard Absenger. Er verleiht es regelmäßig an seine Gäste. Den Fuhrpark ergänzen ein italienischer Tazzari, ein E-Smart von Mercedes und ein Renault Zoe 0 Emission. Allen vier gemein ist, dass sie keinen Verbrennungsmotor haben und stattdessen mit Strom betrieben werden, der für dieses Quartett aus der hauseigenen Photovoltaikanlage stammt.

Wie eine „Tankstelle der Zukunft“ ausschaut, sieht ebenfalls sofort, wer im Anifer Kaiserhof absteigt. Denn auf dem Parkplatz des Hotels finden sich insgesamt 23 Ladestationen für alle am Markt befindlichen Elektrofahrzeuge. Während des Besuchs des „Salzburger Fensters“ rollen mindestens fünf Tesla vor. Sie laden hier gratis auf, binnen einer halben Stunde ist der Akku zu 80 Prozent voll. Mit einem Kaufpreis ab 70.000 Euro ist der Tesla das beste Pferd im Stall, aber bislang eben kein Auto für jedermann.

Deshalb ist es erstaunlich, dass Absenger mit Beispielen belegt, dass auch er sich rechnet: „Wenn jemand 10.000 Kilometer im Jahr fährt, nicht, aber für einen Vielfahrer im Vergleich mit einem 5er BMW oder einem Audi A6 in jedem Fall.“ Die Betriebskosten für Wartung und Versicherung seien sehr, sehr niedrig, das Tanken bei den österreichweit rund 1000 Superchargern inkludiert, sprich kostenlos. Und die motorbezogene Steuer entfällt, weil – bingo – das Auto keinen Verbrennungsmotor hat.

In der Kritik steht das Fahrzeug noch wegen seines Preises. Doch diesbezüglich läutet 2017 ein neues Zeitalter ein. Da soll nämlich mit dem Model 3 ein massentauglicherer Tesla auf den Markt kommen: mit einem kleineren Akku und einer Reichweite von rund 300 Kilometern. Das Auto wird rund 40.000 Euro kosten. Binnen weniger Tage verzeichnete der US-amerikanische Hersteller rund eine halbe Million Vorbestellungen.

Für Absenger ein Indiz dafür, wie „hungrig die Leute auf diese Technologie sind.“ Für ihn ist der Verleih seiner E-Autos der Versuch, möglichst viele Menschen mit der Materie zu infizieren. Denn noch sind die E-Mobilität und insbesondere der Tesla für viele ein Buch mit sieben Siegeln. „Je jünger die Leute, desto besser ist ihr Wissensstand“, schmunzelt Absenger: „Also, die Kinder sind mein Hoffnungsschimmer.“

Sigrid Scharf