Das Schweigen der Männer

Ich: „Was willst du mir damit sagen?“ Der Angetraute: „Nichts, ich bin ein Mann.“ Und damit willkommen im Thema: der männlichen Aussprechsperre.

Das hab nicht ich so genannt, sondern der grandiose Edi Jäger. Kennen Sie Edi Jäger? Wenn nicht, dann müssen Sie das schleunigst ändern, denn der Schauspieler, der regelmäßig – meist zusammen mit Anita Köchl – im Kleinen Theater (und auf anderen Bühnen Österreichs) auftritt, ist genial. Ich bin sozusagen ein Fangirl, er weiß halt nix davon und ist leider auch zu alt für mich, aber ich hab bisher alle seine Stücke gesehen und himmle ihn immer aus dem Publikum an, weil er so witzig ist.

Nun gut, zurück zum Thema: Der Mann an sich, so Edi Jäger – und der muss es wissen, ist er doch selber einer –, leidet an einer Aussprechsperre. Das heißt, kurz gesagt: Er will ja, aber er kann nicht. Er möchte die Worte gern aus sich rauskriegen, doch die wehren sich. Sie kommen ihm einfach nicht über die Lippen. Manchmal quält das den Mann, aber eigentlich hat er sich dran gewöhnt. Er sagt „Hm“, „Aha“ und „Ja, ja“ – das schafft er. Sätze wie „Ich hab den ganzen Tag an dich gedacht“ sind dagegen schwierig, die Königsklasse mit „Ich liebe dich“ und „Willst du mich heiraten?“ erreichen nur die Wenigsten. Wäre ja alles nicht weiter tragisch, wenn’s da nicht die Frauen gäbe.

Die Frauen können und wollen das nämlich nicht akzeptieren, die Frauen glauben, dass da MEHR sein muss, irgendwo drin in dem Mann. Dass man das nur rauskitzeln muss. Deswegen fangen die Frauen an zu fragen. „Geht’s dir gut?“, „Was hast du heut gemacht?“, „Wie fühlst du dich?“ Und dann – der Klassiker: „Was denkst du gerade?“ Männer, ganz ehrlich: Uns Frauen hat NOCH NIE interessiert, was ihr denkt. Es kann ja sowieso nur was Dämliches sein. Diese Frage dient vielmehr als Inspiration. Als Anregung, als Hinweis im Sinn von „es ist übrigens möglich, sich mitzuteilen, stell dir vor“. Wir sind dem Irrglauben verfallen, wir würden euch damit helfen.

Das Problem dabei ist: Als Frauen gehen wir von uns selbst aus und vergessen, dass ihr eben anders seid. Stummer. Um die richtigen Worte verlegen. Und eigentlich ja – seid doch mal ehrlich – ganz zufrieden mit der angeborenen Aussprechsperre. Die macht viele Dinge einfacher und ist sozusagen eine Ausrede ohne Worte. Mit der ihr ein bisserl kokettieren und auf die ihr im Bedarfsfall verweisen könnt. Was ich im eingangs geschilderten Dialog dann noch gesagt habe (außer zu lachen)? Nichts.

Mareike Fallwickl arbeitet als freie Texterin und Lektorin. Mail: interaktiv@svh.at

Karikatur: Thomas Selinger

Karikatur: Thomas Selinger