Taten statt Worte: Sextett lebt befreit ohne Auto

Besucht die Familie Freunde in Mattsee, ist das ein Tagesausflug. Und die sechs bleiben über Nacht.

Familie Hladik hat kein Auto. Nie gehabt. Ihre Wege bewältigen die sechs auf ihren Fahrrädern. „Kein Auto zu haben ist keine Einschränkung, wie viele fälschlicherweise denken. In Wahrheit ist es eine Befreiung“, sagt Familienvater Gerhard.

Zu Fuß zu gehen oder zu radeln sei einfach entspannender, man sei langsamer unterwegs,  in gleichmäßigen Bewegungen  und es bleibe Zeit zum Reden, sagt Ehefrau Nina. Wenn die Familie aus Mülln Freunde in Mattsee besucht, bleibt sie dort über Nacht. Das ist dann ein Tagesausflug. „Wir sehen uns seltener, aber wenn, dann bleiben wir nicht nur eine Stunde zum Kaffee, sondern haben Zeit füreinander“, erklärt Nina ihre Philosophie.

Obwohl: Eine bewusste Entscheidung steckt gar nicht hinter ihrem „autofreien Dasein“. Es habe sich nie richtig ergeben. Beide Elternteile haben in Wien und Graz studiert. Als in Graz die Studenten-Freifahrt abgeschafft wurde, sei man eben auf das Fahrrad umgestiegen, erzählt Gerhard – und dabei geblieben. Heute arbeitet er mit seiner Frau selbstständig im Architekturbereich und sie versuchen, ihr Leben mit möglichst wenig Arbeit zu erwirtschaften. Ein Auto passt da nicht ins Konzept, weil es wegen der hohen Grundkosten sofort zu einem erheblichen Mehraufwand führen würde.

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Und niemand vermisst ein  Kraftfahrzeug wirklich. Größere Einkäufe bringt man in Fahrradtaschen unter. Die Kinder treten, seit sie drei Jahre sind, in die Pedale. Den Schulweg bestreiten sie in aller Regel auf dem Drahtesel, die achtjährige Tochter Carolina geht die 15 Minuten zum Musikum zu Fuß.

Ein „Mama-Taxi“ in dem Sinn gibt es nicht. „Das führt dazu, dass sich unsere Kinder selbstständig und selbstbewusst durch die Stadt bewegen, sich auskennen und nicht unausgelastet sind“, sagt Gerhard, der mittlerweile aus Birkensperrholz selbst Rahmen für Fahrräder  baut. Aktuell sucht er  Menschen, die ihn bei der Markteinführung unterstützen.

Ihre Form der Mobilität leben die Hladiks selbst im Urlaub. In aller Regel stehen Radreisen auf dem Programm. Von Graz bis Rom oder von Salzburg an die  Nordsee  sind solche Routen. Im Vorjahr tingelte das Sextett von Mallnitz nach Poreč. Täglich legte die Familie 50 Kilometer zurück, zehn Tage lang war sie unterwegs. „Am Anfang ist es da  extrem steil hinuntergegangen. Wir mussten sogar stoppen, weil uns vom Bremsen die Hände so weh taten“, erinnert sich Elisabeth (11) und lacht.  Abenteuer, die prägen.

Von Sigrid Scharf