Den Kaffee bitte ohne Milch und Kinder

Salzburg, ich muss mich bei dir beschweren. Ich hab dich ja echt gern, und ich ertrage alle deine Macken, deine Einbahnstraßen, deine Touristenhorden, deine superhohen Preise. Aber du hast eine Marktlücke, die ist so groß, dass ich dauernd reinfall wie in ein Gatschloch. Du hast kein g’scheites Kindercafé.

Mit Kindern, die keine Babys mehr sind, kann man nirgends entspannt brunchen oder Kaffee trinken – nicht im Zentrum und schon gar nicht in den umliegenden Gemeinden. Dass viele Mütter verzweifelt nach Möglichkeiten suchen, sieht man auch an den vielen Facebook-Fragen à la „Hat jemand einen Tipp, wo ich mit Kids hinkann?“. Da kommen stets dieselben Antworten:

1. Das Stadtcafé im Haus der Natur. Das ist wirklich nett, aber: nur für Kinder unter drei, weil die sich noch mit den Babyspielsachen in der kleinen Ecke zufriedengeben.

2. Das Sternbräu mit Spielezimmer. Auch schön, aber: nur für größere Kinder, die allein da hingehen und wieder zurückfinden können. Sonst muss stets ein Elternteil dabei sein, während der andere allein am Tisch sitzt. Genau dasselbe gilt für die Gasthäuser mit Spielezimmer im Keller, wie 3. Grünauerhof und Laschenskyhof (wo es tolle Spielplätze gibt, ja, aber was ist in der Zeit von Oktober bis April?).

Gehören Kinder immer weggesteckt? Warum gibt’s kein Café, in dem Kinder erwünscht sind, spielen dürfen und dabei von den Eltern gesehen werden können – wie in Wien, München, Berlin und sonst überall? Eins würd eh reichen! Der Bedarf ist vorhanden. Im Felix in Elixhausen geht das, bloß hat man dort auf reinen Pizzabetrieb umgestellt. Unser einziger Café-Anlaufpunkt momentan: das Kurkuma in Hallein. Da hat’s auch nur ein Spielzeugeckerl, aber die Besitzer haben selber ein Kind und schimpfen nicht, wenn die Zwerge durchs Café sausen. Das allein hilft schon sehr. In der Broschüre „Salzburgs kinderfreundliche Gastronomie“ von der WKS gilt ein Restaurant übrigens schon als kinderfreundlich, wenn es einen Hochstuhl gibt. Ich hau mich ab. Kinder haben halt keinen Bock, lang an einem Tisch sitzen zu bleiben – das ist auch okay.

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Karikatur: Thomas Selinger

Nur ist ein Cafébesuch quasi unmöglich, wenn sie sich kein bisserl beschäftigen können und bös angeschaut werden, sobald sie sich bewegen. Ihnen ein Handy oder iPad in die Hand zu drücken, das mach ich nicht. Da lade ich Kinderfreunde lieber in die Wohnung ein und renoviere sie danach – oder weiche aufs Funnymotion aus. Und hoffe, dass irgendwer in Salzburg endlich den Mut findet, diese Marktlücke zu schließen.

Sie haben einen super Tipp für ein Eltern-Kind-Gasthaus? Her damit an: interaktiv@svh.at, ich freu mich!