Spätsommer vom Feinsten

Wenn die Westströmung kein Leiberl hat.

Die erste Septemberwoche bescherte uns eine Reihe stabiler Spätsommertage. Klimatologisch gesehen zählt der September ja bereits zum Herbst, ungeachtet dessen haben es die Temperaturen bei uns aber nochmals in sommerliche Höhen über 25 Grad geschafft.

Dabei haben wir in allen Bezirken das Monatssoll für den September hinsichtlich der Zahl der Sommertage bereits vor der Monatsmitte deutlich überschritten. Der Erwartungswert für Tage mit mehr als 25 Grad – berechnet aus den Temperaturmessungen der letzten 30 Jahre – liegt im September nämlich zwischen drei Tagen im Lungau und fünf Tagen im Flachgau.

Ermöglicht wurde und wird die spätsommerliche Witterung durch eine besonders stabile Druckverteilung über Europa. Dabei liegt ein Tief über dem Mittelmeer, während sich über den Alpen und nördlich davon ein Hoch eingenistet hat. Die großräumige Westströmung, die für unsere Breiten sonst typisch ist und das Wetter im Mittel alle drei bis vier Tage umschlagen lässt, wird vom Tief im Süden blockiert.

So schaffen es Frontensysteme vom Atlantik nicht bis ins Herz Europas, sondern werden in einem großen Bogen nördlich um den Kontinent herumgeführt. Während Mitteleuropa bei diesen Wetterlagen reichlich Sonnenschein tanken kann, ist der Wettercharakter in Italien und Griechenland oft unbeständig und gewitterträchtig. Auf den Britischen Inseln, in Norwegen und Schweden ist es dagegen häufig sehr wechselhaft mit wiederholtem Störungseinfluss.

Blockierende Wetterlagen zeichnen sich durch eine sehr gute Vorhersagbarkeit aus. Hat sich eine derart stabile Wetterlage einmal bei uns eingestellt, ändert sich der Wettercharakter oft über ein oder zwei Wochen nicht und die Prognosen sind besonders verlässlich. Auch die stabilste Wetterlage findet aber einmal ihr Ende, das im September nicht selten von einem ersten Wintereinbruch  begleitet ist.

Das Wetter …

… in dieser Woche: Das spätsommerliche Wetter setzt sich bis über die Wochenmitte fort. Dann geht die stabile Wetterlage  zu Ende, es kommen kühlere Luftmassen ins Spiel.

… vor 5 Jahren: Ein Kaltlufteinbruch bringt Schneefall bis in höher gelegene Täler. Unter der Schneelast umstürzende Bäume beeinträchtigen den Verkehr auf der Tauernbahn und über den Pass Thurn.

… vor 37 Jahren: Heftige Niederschläge führen zu Murenabgängen im Pongau. Die Verbindung über den Pass Gschütt muss vorübergehend gesperrt werden.

Aktivitätstipp: Die letzten Spätsommertage eignen sich noch bestens zum Wandern, Bergsteigen, Klettern und Biken. Mit der Wetterumstellung kommen auch noch Segler und Surfer auf ihre Rechnung.