Grillen in Stiegls Brauwelt

Rot röstet das Ferkel.

Beginnen wir mit einem Witz: „Mama“, fragt das Kind, „was sind Prostituierte?“ Schweigen. „Das, mein Kind, sind die anderen. Wir sind die Katholiken.“

Lachen tut gut. Der Vorkoster spürt, wie ins katholische Salzburg ein genussfeindlicher Hauch weht, eigentlich charakteristisch für die anderen, die Protestanten. Die vernünftige Anregung, sich gesund zu ernähren, plustert sich zu einem Ersatz-Glauben auf: Wer sich streng an die Regeln hält, gewinnt eine moralische Überlegenheit, wer „sündigt“, trägt Schuld an körperlichem Unwohlsein bis zu Krankheit und Tod. So ein Quatsch! Essen und Trinken sollen Spaß machen.

Also her mit einem der ursprünglichsten Genüsse: geröstetes Spanferkel! Gut seit der Steinzeit. Der Vorkoster überlässt das Grillen lieben den Grillen oder den Profis, er versteht zu wenig davon. So buchten wir einen Abend in Stiegls Brauwelt. Glücklicherweise ließ uns der Regen in Ruhe, der große Gastgarten im Hof war voll mit fröhlichen Gästen. Wir hatten reserviert. Minütlich streiften Leute suchend an unserem Tisch vorbei, die nicht vorbestellt hatten. Chancenlos. Das erinnerte an die Kindheit, wo man auch umso lieber und länger schaukelte, wenn ein anderes Kind auf die Schaukel wartete.

Der Kellner gab jedem von uns ein Papierband, ums Handgelenk zu schlingen – als Zeichen, dass wir uns so oft wir wollten den Teller füllen lassen durften. „Ihr könnt essen, bis ihr platzt.“ Passenderweise begann hinter uns das Platzkonzert, hübsch-schräge Volksmusik von Tuba, Gitarre und Quetsche. Die drei zogen den Abend durch alle Ecken des Hofes, zum Gaudium des Publikums. Kinder allen Alters wuselten um die Tische. Es war lustig und lebhaft hier.

Im Spanferkel-Preis von 16,90 Euro waren Getränke klarerweise nicht enthalten. Wir sahen gut auf die Schank, wo zwei junge Männer ohne Unterbrechung wirbelten: Bier schenkt sich nicht so leicht ein wie Cola. Die Damen probierten sich durch die Radler: Zitrone frisch und fruchtig, Holler etwas zurückhaltend feiner, Liebling wurde die Kombination aus Weißbier und zartbitterer Grapefruit (3,70 Euro die Halbe). Der Vorkoster genoss derweil ein naturtrübes Zwickelbier (€ 3,90).

Rot röstete ein ganzes Schwein im Elektrogrill. Ein junger Koch tranchierte das Tier, legte den Gästen Fleisch und Kruste auf die Teller. Bratensauce war aus einem großen Topf zu schöpfen. An Beilagen gab es etwas fade Knödel oder gutes Brot, Kraut- oder Blattsalat. Jeweils so viel man wollte.

Und ja, das Ferkel bot Vergnügen. Die Schwarte war zart fettunterlegt und krachte zwischen den Zähnen. Das Fleisch war bissfester oder zarter, ob nun vom Bauch oder Rücken stammend, aber immer saftig und genau richtig gewürzt. Als nach den ersten zwei Tellern die Gier ein wenig nachließ, brauchte es eine Pause zum dritten. Die Vorkosterin war schon vorher ausgestiegen. Man sah an manchen Tischen, wie schöne Fleischstücke heimlich in Servietten eingewickelt und in Handtaschen geschoben wurden. Schweinsbraten ist auch kalt eine Delikatesse.

Stiegl Brauwelt
Bräuhausstraße 9, 5020 Salzburg
Spanferkel-Grillen noch am 4., 11., 18. und 25. August.
Tischreservierung: 050-1492-1492.

Der Vorkoster

Mister Vorkoster! Er  testet anonym die Gastronomie – und gibt unbestechliche Urteile ab.  Exklusiv im „Fenster“.

Titelfoto: Marco Riebler