München. Und jetzt?

Eine Antwort kann lauten: bewusster leben.

Auch wenn es doch kein Terrorakt war, sondern die Irrsinnstat eines möglicherweise psychisch Kranken. Nach dem Amoklauf von München ist auch in Salzburg kollektive Niedergeschlagenheit spürbar. Da sind Betroffenheit und Beklemmung, da sind Verunsicherung und Angst – und da ist die traurige Erkenntnis, dass diese bedrohliche Welt, in der plötzlich fast alles in Frage steht, unwiederbringlich auch bei uns angekommen ist. Zwei bange  Fragen liegen über unserem Alltag: Was passiert als Nächstes? Wo soll das alles hinführen?

Zugegeben, die Antworten sind nicht einfach. Aber es gibt sie. Eine, die wir kennen: Eine Gesellschaft darf sich Gewalt nicht beugen. Eine zweite, die genauso wichtig ist, über die aber zu wenig gesprochen wird: Was für die Gesellschaft gilt, gilt auch für den Einzelnen.

Soll heißen: Wir dürfen uns der Angst nicht hingeben. Wer jetzt in eine gedankliche Abwärtsspirale gerät, tut sich nichts Gutes.   Das schreibt und sagt sich natürlich leichter als es praktisch umsetzbar ist, wenn sich Amokläufe häufen, ein Mann mit einem Lkw absichtlich in eine Menschenmasse rast und ein anderer in einem Einkaufszentrum um sich schießt und gezielt junge Burschen tötet.

Trotzdem braucht es eine Form des geistigen Widerstands. Und der beginnt im Kopf. Eine Antwort kann nur lauten: Zusammenstehen, solidarisch sein, im Alltag auf die kleinen Dinge mehr achten, das Lebenswerte und Positive mehr schätzen – kurzum: bewusster leben.

Das wichtigste Hilfsmittel zu geistiger Widerstandskraft ist sozialer Kontakt. Miteinander reden, sich austauschen, Freunde und die Familie suchen. Mit Angst und Verunsicherung lässt sich besser umgehen, wenn man sich austauscht.

Deshalb: keine Rückzugsgefechte, keine Isolierung. Es ist ein denkbar schlechtes Zeichen, wenn sich jemand von der Um- und Außenfeld zurückzieht.

Geistige Widerstandskraft kann und muss aber auch die Gesellschaft verstärkt entwickeln. Fürs Umdenken braucht es zuerst aber  Einsicht: Dass wir so gut wie alles problematisieren, vieles schlecht- und andere heruntermachen, ist ein wesentlicher Teil des Problems. Das gilt für das Private wie für das Öffentliche. Das gilt für den Einzelnen wie für Politik, Medien, Organisationen oder auch Stammtische.

Es würde unserer Wohlstandsgesellschaft so ungemein guttun, würde es gelingen, das Bemerkenswerte, Besondere und Positive wieder stärker zu erkennen und vor allem zu würdigen – ihm eine Bühne zu bieten, es vor den Vorhang zu bitten und gemeinsam zu zelebrieren.

Gelänge das auch nur ansatzweise, würde das vermutlich die beste und wichtigste Antwort auf München sein.