Baderatte oder Gletscherfloh?

Sie glauben auch, dass die Sommer der Kindheit stabiler, sonniger und heißer waren? Dann sind Sie mit dieser Meinung auf dem Holzweg! Ein wechselhafter und eher feuchter Sommer, in dem Temperaturen über der 30-Grad-Marke die Ausnahme bilden, ist ganz typisch für Mitteleuropa und den Alpenraum.

Das Problem der österreichischen Sommer ist weniger das Wetter an sich als die übersteigerte Erwartungshaltung vieler Menschen. Wochenlanges trockenes und heißes Badewetter wie in den Jahren 2003 und 2015 ist nur an den Mittelmeerstränden die Regel, in unseren Breiten fällt hingegen der Großteil des Jahresniederschlags in den Hochsommermonaten. In Abtenau – also im feuchtesten Eck des Landes – fallen im Juli durchschnittlich 216 Liter Regen pro Quadratmeter, im Februar als trockenstem Monat werden nur etwas mehr als 80 Liter gemessen.

Während sich in einem durchwachsenen Sommer Baderatten weniger freuen, weil die Seen kühl bleiben, gibt es natürlich auch Gewinner: Für die Salzburger Gletscher bedeuten wiederholte Schlechtwetterphasen mit niedrigeren Temperaturen „Verschnaufpausen“. Anzahl und Intensität von sommerlichen Kaltlufteinbrüchen mit Schneefällen im Hochgebirge sind bei den meisten Alpengletschern entscheidend für die Entwicklung der Eisriesen. Ohne diese kühlen Phasen wird die Schmelzsaison nicht unterbrochen, die Gletscher verlieren an Länge und Masse. Schneit es immer wieder, bleibt der Winterschnee in den Nährgebieten der Gletscher erhalten – der Massenverlust wird  gebremst.

Im Moment stehen die Gletscherflöhe auf der Verliererseite: Schwülwarmes Wetter lässt Eis und  Schnee  auch in höchsten Lagen rasant abschmelzen – am Hohen Sonnblick in den Hohen Tauern (3106 m) reduzierte sich die Schneehöhe seit Anfang Juli um über 130 Zentimeter, während extrem heißer Phasen schmelzen mehr als 10 Zentimeter pro Tag.

Ärgern Sie sich also nicht zu sehr über ein kühles Sommerwochenende, gönnen Sie den Gletschern das Aufatmen!

Das Wetter…

… in dieser Woche: Bis Wochenmitte bleibt die Schauer- und Gewitterneigung hoch. Richtung Wochenende nehmen Sonnenphasen zu.

… in dieser Woche vor 13 Jahren: Der Jahrhundertsommer 2003 erreicht mit Temperaturen um 35 Grad einen weiteren Höhepunkt.

… in dieser Woche vor 31 Jahren: Schwere Sturmböen verwüsten im Flachgau große Waldflächen.

… in dieser Woche vor 58 Jahren: In der Liechtensteinklamm ertrinken nach schweren Gewittern drei Menschen im reißenden Wildwasser.

Aktivitätstipp: In der schwülwarmen Luft sind die Vormittage besser für Freiluftaktivitäten geeignet. In der zweiten Wochenhälfte kommen Baderatten  mehr auf ihre Kosten.