Unternehmer, traut euch!

Betriebe können „etwas tun“ – und profitieren dabei selbst.

Was tun eigentlich Betriebe dafür, dass ihre Mitarbeiter Beruf und Familie besser vereinbaren können? Noch immer zu wenig. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, tickt es in vielen Unternehmerköpfen. Von den Arbeitnehmern wird zugleich immer mehr verlangt: Flexibilität, Multitasking, volle Konzentration. Aber wie soll das gehen, vor allem bei den immer mehr berufstätigen Frauen, wenn sie ständig denken müssen, und das speziell in den langen Sommerferien: „Was tut mein Kind  allein daheim?“ Oder: „Wie kriege ich  das nötige Geld für ein Feriencamp zusammen?“

Unternehmen, die ihre Mitarbeiterinnen (Manager der Kinderbetreuung sind immer noch hauptsächlich die Mütter) in diesen Fragen  alleinlassen, handeln kurzsichtig. Auf 100 Prozent Einsatz und Loyalität ihrer Belegschaft können sie vermutlich nicht zählen. Dabei reichen relativ kleine Maßnahmen, mit denen Unternehmer ihrer Belegschaft helfen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen: ein eigener Büroraum, in dem eine Mutter ihr Kind mitbringen kann, wenn akut die Oma krank ist oder die Volksschule schulautonom geschlossen ist. Gleitzeit oder Home-Office mit Firmenlaptop bieten ebenfalls Entlastung für Mitarbeiterinnen mit Betreuungspflichten. Einige Salzburger Unternehmen haben es erkannt: Wer die Arbeitswelt der neuen Lebenswelt seiner Mitarbeiterinnen anpasst, hat motiviertere, leistungsstärkere Arbeitnehmer. Das investierte Geld, etwa für einen Eltern-Kind-Büroraum, kommt doppelt zurück. Und das langfristig.

Nicht umsonst stellt die Firma Biogena in der Stadt in den Schulferien „Sommerbetreuungs-Schecks“ aus und heißt Kinder im Büro willkommen. Nicht umsonst ermöglicht das Dentalwerk Bürmoos seinen Mitarbeitern 30-prozentige Ermäßigungen auf Kinder-Feriencamps. Und nicht umsonst baute Fahnenhersteller Gärtner einen Betriebskindergarten und richten die Geschützten Werkstätten  gerade zwei Räume kinderfreundlich her: Dort betreut ab September eine Tagesmutter  Kinder der über 300 Mitarbeiter. Endlich hat die Landesregierung diese neuartige Kinderbetreuungsform ermöglicht. Bleibt zu hoffen, dass noch viele weitere Betriebe ihren Teil dazu beitragen, dass Job und Kind gut zusammengehen.

Denn es gibt  viel zu tun. Die Landeshauptstadt  führt keine Krabbelstuben, Familien müssen hoffen, einen der begehrten privaten Krabbelplätze zu ergattern. Öffentliche Kindergärten haben im Sommer sechs  Wochen  geschlossen, freitags ist bei vielen um 16 Uhr Schluss. Und selbst in Betrieben, wo es erlaubt ist, haben Mitarbeiterinnen eine Scheu, Kinder  in die Arbeit mitzubringen. All das offenbart: Wir brauchen einen Kulturwandel.