Domplatz oder Festspielhaus?

Eines ist klar: Der Jedermann stirbt nur im Trockenen.

Der „Jedermann“ ist seit seiner Premiere 1920 ein Synonym für die Salzburger Festspiele, die Geschichte vom Sterben des reichen Mannes ist auch heuer ein Highlight der Festspielsaison. Doch der Jedermann stirbt nicht bei jedem Wetter vor dem Salzburger Dom. Weder die Bühne noch die Zuschauertribüne ist überdacht, bei Regen muss entweder unterbrochen oder von Beginn an im Großen Festspielhaus gespielt werden. Wenn man weiß, was ein „Jedermann“-Ticket kostet, versteht man  gut, dass das Publikum nicht begeistert ist, wenn es bei der Vorstellung auf das besondere Flair des Salzburger Domplatzes verzichten muss.

Daher versucht man, möglichst viele Aufführungen im Freien zu spielen. Meteorologen der ZAMG Salzburg beraten das „Jedermann“-Team von der ersten Probe bis zur letzten Vorstellung umfassend. Ziehen Regenschauer ganz knapp vor Vorstellungsbeginn ab oder streifen während der Aufführung  an der  Altstadt vorbei, glüht die Telefonleitung zu den Wetterexperten  – schließlich gibt es kaum etwas Schlimmeres als einen „Fehlalarm“. Weder der Veranstalter noch das Publikum will beim Verlassen des Festspielhauses merken, dass es während der Vorstellung entgegen der Vorhersage doch trocken blieb.

Und doch lässt sich dies nicht immer verhindern: Im landschaftlich stark gegliederten  Salzburg sind Punktprognosen für Freiluftveranstaltungen ein Hazardspiel mit so mancher Unwägbarkeit, wenige Kilometer entscheiden über kulturellen Genuss und wirtschaftlichen Erfolg.

Übrigens ist es auch in der Hauptstadt des Schnürlregens nicht nur der Niederschlag, der dem Jedermann Probleme macht: Wenn an heißen Sommertagen Vorstellungen am späten Nachmittag beginnen, können auf der Bühne Temperaturen von über 50 °C erreicht werden. Nicht nur die Schauspieler gehen da an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, auch das  Publikum sehnt dann den Sonnenuntergang herbei . . .

Das Wetter …

… in dieser Woche: Es ist sommerlich warm und zunächst auch oft sonnig. Zum Wochenende hin steigt die Schauerneigung wieder an.
… in dieser Woche vor 5 Jahren: Nach einem kräftigen Kaltlufteinbruch wird auf der Großglocknerhochalpenstraße Kettenpflicht verhängt.
… vor 18 Jahren: Die Zubringer der Salzach verwandeln sich in reißende Bäche, es gibt Überflutungen.
… vor 43 Jahren: Hagelschauer ziehen über den Pinzgau und unterbrechen eine Hitzewelle.

Aktivitätstipp: Die besten Chancen auf Badewetter gibt es um die Wochenmitte, zum Wochenende hin wird der Regenschutz  wichtiger als die Sonnencreme.