Schloss Mönchstein: Picknick im Park, Barfuß durchs Gras

Die beiden Damen hatten sich die Schuhe ausgezogen und wandelten barfuß über den Rasen. Sie seufzten. Picknick im Park von Schloss Mönchstein.

Die Woche zuvor hatten wir stets ein Ohr am Wetterbericht. Man kann sich nicht spontan entscheiden – oh, heute strahlt die Sonne! –, man muss den Picknickkorb zumindest 24 Stunden vorher bestellen. So entschieden wir uns für einen prognostiziert warmen Tag in der Hoffnung, dass die anschließende Störung nicht schon am Nachmittag mit Blitz und Donner eintreffen würde. Denn ein gutes Picknick ist ein stressfreies Essen im Freien mit  viel Zeit. Wir hatten Glück.

Die Damen in der Hotelrezeption grüßten freundlich. Wir bezahlten 75 Euro und ließen einen Ausweis zurück als Pfand, damit wir uns nicht mit den zwei festen Körben aus dem Staub machen würden. Denn weggehen sollten wir ja: vielleicht durchs Tor auf den Mönchsberg? Wir wollten lieber das große Schlossgelände erkunden. Über eine Brücke kamen wir zum Sissi-Pavillon und fanden dort Schatten unter Bäumen mit einem Blick hinunter, dass du glaubst, über der Stadt zu schweben. Wir nahmen uns eine Parkbank und breiteten die beigegebene Decke aus. Picknick! Das, wovon man immer träumt und sich vornimmt und es nie tut: Das machen wir.

Was war im Korb? Vieles und alles bestens eingewickelt: eine Flasche wunderschön typischer Veltliner und eine Flasche Mineral, beides gut gekühlt, dazu ein Thermoskännchen Kaffee. Zum Vorschein kamen Mixed Pickles, Topfenaufstrich, Gurkensalat, Radieserl und Tomaten, Käse, Schinken und Wurst, Obst und ein Guglhupf. Ein hausgebeizter Saibling mit senfiger Sauce – ganz vorzüglich. Eine französische Butter aus Poitiers trat gegen Pinzgauer Bauernbutter an: beide gut auf ihre Art. Bloß vom Gebäck gab’s etwas wenig. Der Vorkoster machte sich auf zur Rezeption, einen Nachschlag zu erbitten. Den brachte eine junge Dame Minuten später an unseren Platz.

Qualitativ war alles gut, was wir aßen oder tranken. Manches herausragend, wie sehr reife Erdbeeren, die in Schlagobers zu dippen waren, auch die Chutneys in Tiegelchen. Von der Anzahl der Teller und Gläser sowie von der Menge her ist dieses Picknick auf vier Menschen berechnet. Wir waren zu dritt und nahmen etliches mit heim – im Hotel müssten sie sonst die guten Sachen den Hygienevorschriften gemäß ja wegwerfen. Und das wäre richtig schade gewesen.

Natürlich ist es viel bequemer, sich am fein gedeckten Tisch im Hotelrestaurant bedienen zu lassen. Aber nicht heute. Das wahre Vergnügen, trotz aller Köstlichkeiten, bestand darin, im Schatten auf der Decke zu liegen, den Vögeln beim Singen zu lauschen, zu reden, zuzuhören – und wenn die Lage zu faul zu werden begann, ein wenig im Park zu spazieren, zum Schloss zu schauen, sich als Gast hineinzuträumen. Ein Picknick über Stunden kann so wunderbar entspannend sein.
Auch diese Zeit endete. Wir tauschten Korb gegen Ausweis und schworen uns: Das machen wir öfter. Mal sehen, hoffentlich.

Hotel Schloss Mönchstein
Mönchsberg-Park 26 5020 Salzburg
Tel. 0662-8485550

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Mister Vorkoster! Er  testet anonym die Gastronomie – und gibt unbestechliche Urteile ab.  Exklusiv im „Fenster“.

Die Bewertungskriterien:
Unsere Punktewertung orientiert sich an internationalen Regeln: 20 Punkte sind der Höchstwert.  9 Punkte und darunter: Kost mit groben Mängeln. 10 Punkte: deutliche Mängel. 11 Punkte: durchschnittliche Kost. 12 Punkte: gute Kost. 13 und 14 Punkte (eine Haube): sehr gute Kost. 15 und mehr Punkte (zwei bis vier Hauben): exzellente Kost.