Frauen haben keine Kinderzofen mehr

Die langen Sommerferien sind nicht familienfreundlich. Berufstätige Eltern können mit den Kindern höchstens zwei, drei Wochen eigenen Urlaub verbringen. Betreuungsangebote sind teuer, und so bleiben Tausende Kinder allein zu Hause. Die Politik tut nichts.

Ferienspaß, Fun und Action  für Kids  – alles easy, alles einfach.

So klingen die Angebote  der Institutionen, die in den Sommerferien  Schulkinder  betreuen.   Neun Wochen lang entlässt der Staat  die Kinder in den  Sommer und kümmert sich  – auf einmal um nichts.

Was wie die große Freiheit klingt, ist es in Wahrheit nicht – weder für die Kinder noch für die Eltern. Berufstätige können zwei, drei Wochen mit eigenem Urlaub abdecken. Wer vier Wochen hat,  hat meist auch einen  eher „privilegierten“, guten Job.  Ohne Geld und soziale Netzwerke kann man die lange Zeit nicht organisieren.

Die „moderne“ Kleinfamilie von heute verfügt häufig nicht mehr über (greifbare) Großeltern.  Viele behelfen sich in den Ferien mit befreundeten Müttern und Familien, die einem die Kinder „nehmen“. Das ist zwar das gelebte Solidarwesen, von dem Politiker träumen – in der Praxis wird für den Aufwand und die Gutwilligkeit dieser Freundinnen aber nicht selten ein kleiner Obolus bezahlt.

Dazu kommt: Die Feriencamps und wochenweisen Betreuungen  der pädagogischen Profis sind unverschämt teuer geworden. 550 Euro für drei Wochen sind selbst mit dem tollsten Erlebniswert sauteuer und für ärmere Schichten schlicht unsozial.

Kinderbetreuung teuer wie ein Urlaub

Die Familie – in welcher Ausprägung auch immer – ist nach wie vor und im besten Fall der Ort, wo Menschen glücklich sind. Stabile und tragende Familienverhältnisse sind die beste Vorsorge, die demokratische Gesellschaften treffen können. Deshalb ist Familienpolitik so wichtig.

Wie aber kann es sein, dass in einem reichen Land offenbar Tausende Kinder und Jugendliche  über den Sommer schlicht sich selbst überlassen werden? Dass Kinder allein zu Hause sind, weil die Inobhutnahme durch (häufig politiknahe) Organisationen fast so viel kostet wie ein Urlaub? Sonst mischen sich Staat und Politik ja auch überall ein. Hier tun sie weniger als nichts: Man lässt die Dinge seit gut  250 Jahren unverändert schleifen.

Die langen Schulferien im Juli und August gehen auf Maria Theresia zurück. Die Kinder der ländlichen Bevölkerung mussten in der Erntezeit mitarbeiten. Heute sitzen wir zumeist in Büros und  Kinderarbeit ist verboten. Und die Bildungspolitik?
Die schleppt das Thema mit sich.  Dann fordern die Grünen, dass Ferien nicht der Wirtschaft dienen sollen (Energieferien). Oder  stoßen rote  Bildungsministerinnen die Debatte „neu an“ –  auf  die die Landeshauptleute „ergebnisoffen“ warten.

Mütter von heute leben nicht wie Kaiserin Maria Theresia, die 16 Kinder und einen ganzen Hofstaat von Kindermädchen und Ammen hatte. Wenn die Politik möchte, dass die Menschen wieder mehr Kinder bekommen, muss sie die Arbeitsbedingungen moderner Frauen und Eltern ernst nehmen. Neun Wochen Sommerferien sind jedenfalls nicht familienfreundlich.

Sonja Wenger