Papa ist der Beste!

Ganz unterschiedliche Väter im Porträt

„Die Kinder sind schon fleißig am Basteln, aber das darf ich ja eigentlich nicht wissen“, grinst René Koopmans. Am Sonntag ist Vatertag – und René Koopmans alleinerziehender Papa zweier Mädchen und eines Buben. „Alleinerziehend deshalb, weil meine Frau Jana vor zwei Jahren an Krebs gestorben ist“, erzählt der gebürtige Steirer.

Das Leben sieht er seither mit anderen Augen. „Ich genieße die wertvolle Zeit mit Leni, Anna und Levi noch viel mehr als früher, auch wenn es bei drei Kids natürlich immer irgendein Drama gibt“, sagt der 41-jährige Hoteldirektor mit einem Lachen. So manches musste er in der ersten Zeit nach dem Tod seiner Frau erst lernen – sei es die Behandlung von Kinderkrankheiten, seien es die Besonderheiten der weiblichen Haarpflege. „Meine Tochter hat mir ganz schnell erklärt, was es mit einer Haarspülung auf sich hat.“

Als sonderlich strengen Papa würde sich René Koopmans nicht bezeichnen. „Gerade was die Schulnoten betrifft, sehe ich, wie ausschließlich leistungsorientiert andere denken. Für uns steht das Menschliche im Vordergrund.“

René Koopmans mit seinen Kindern Leni (11, links), Anna (9) und Levi (5): „Ich genieße die wertvolle Zeit mit den Kids, auch wenn’s natürlich immer irgendein Drama gibt.“ Foto: Privat

René Koopmans mit seinen Kindern Leni (11, links), Anna (9) und Levi (5): „Ich genieße die wertvolle Zeit mit den Kids, auch wenn’s natürlich immer irgendein Drama gibt.“ Foto: Privat

Fehlende Vorbilder: Männer erfinden sich neu

Experten sehen die heutigen Väter in einer schwierigen Rolle. „Die Rolle des Großvaters war festgeschrieben, die des eigenen Vaters auch noch weitestgehend. Die heutigen Väter müssen sich dagegen neu erfinden“, sagt Harald Burgauner, Geschäftsführer des Vereins Männerwelten.
Ähnlich sieht das Eberhard Siegl vom Männerbüro Salzburg. „Die heutigen Väter möchten nicht die besseren Mütter sein, wollen aber auch nicht so sein, wie ihre eigenen Väter waren.“ Weil dafür die Vorbilder fehlen, bedeute Vatersein heute in erster Linie „probieren, fantasieren und sich sein eigenes Vaterbild selbst zusammenschustern“. So seien die Ansprüche an einen Vater früher sehr monolithisch gewesen. „Er hatte das Geld heimzubringen und der strafende, führende Vater zu sein. Heute soll er zusätzlich einfühlsam sein, den Haushalt mitmachen und auch noch Ausgleich finden“, sagt Burgauner.

Eine Erfahrung, die nach wie vor nur ganz wenige Väter machen, hat Johannes Holztrattner aus Faistenau hinter sich.  Der  35-Jährige war zwei Monate in Elternkarenz. „Rasend schnell“ sei die Zeit vergangen, erzählt der dreifache Vater: „Wir haben kleine Wanderungen unternommen, rund ums Haus anstehende Dinge erledigt und ganz viel Zeit mit unseren Kleinen verbracht. Ich kann das jedem Vater nur empfehlen.“

Finanzieller Abstieg sei die Karenz keiner gewesen. „Wir reden hier von zwei Monaten. Außerdem kriegt man von den Kindern mehr zurück, als man in Geld aufrechnen könnte.“

An jenen Tagen, an denen er mit seinen Kindern allein gewesen sei, habe er erst richtig zu schätzen gelernt, was seine Frau täglich leiste. „Man  ist die ganze Zeit  über ausschließlich für die Kinder im Einsatz,   alles andere wird hintangestellt.“

In besonders angenehmer Erinnerung ist Johannes Holztrattner heute – knapp eineinhalb Monate nach Ende seiner Karenzzeit – das morgendliche Ausschlafen. Richtig gehört. „Weil ich an Arbeitstagen schon um fünf Uhr rausmuss, konnte ich während meiner Zeit daheim sogar länger schlafen.  Die kleine Nora ist mit ihren 15 Monaten zum Glück eine Langschläferin.“

„Möchte wissen, was auf mich als Vater zukommt.“ Andreas Turek

Andreas Turek ist streng genommen noch gar kein Papa. Er fühlt sich aber bereits wie einer, auch wenn er sich noch bis September gedulden muss. Um optimal auf die Geburt seines Sohnes – so viel steht bereits fest – vorbereitet zu sein, besucht der Salzburger vorab gleich mehrere einschlägige Kurse.

Vergangene Woche war er beim Geburtsvorbereitungskurs für Männer in den Salzburger Landeskliniken. Das Interesse hielt sich in Grenzen: „Wir waren zu zweit.“ Abschrecken lässt sich der 32-Jährige davon aber nicht: „Diese Woche folgt der Babypflegekurs.“ Beim Geburtsvorbereitungskurs seiner Frau ist er ebenfalls an mehreren Terminen mit dabei. „In erster Linie geht es  mir darum, meine Frau bestmöglich unterstützen zu können. Da möchte ich natürlich wissen, was auf mich zukommt“, sagt der angehende Papa Andreas Turek.

Thomas Strübler

  • Johannes Holztrattner mit Töchterchen Nora. Foto: Strübler
  • Johannes Holztrattner bereut keine Sekunde seiner Elternkarenz. Foto: Strübler
  • René Koopmans hat als alleinerziehender Vater eine besonders enge Beziehung zu seinen drei Kindern. Foto: Strübler
  • Harald Burgauner vom Verein Männerwelten: "Die heutigen Väter müssen sich neu erfinden." Foto: Privat
  • Eberhard Siegl vom Männerbüro Salzburg: "Vater sein heißt heutzutage probieren und fantasieren." Foto: Privat