Der Vorkoster im Casino Himmelreich: Ein Restaurant als Lockvogel

Die Casino AG setzt auf besseres Essen, um mehr Menschen an die Spieltische im Schloss Klessheim zu bekommen.  Da geht es – no na – um viel Geld. Zunächst um 14 Millionen, die in den Barockbau flossen. Bei Sonne konnte es in einem Flügel um zehn Grad wärmer sein als im anderen. Wer hatte schon Lust, bei Sauna-Temperaturen einen Automaten mit Münzen zu füttern? Neben der Klimaanlage entstand eine moderne Küche, früher wurde auf acht Quadratmetern gekocht (genau dieser Raum reicht heute für die Herrentoilette). Man hat sich vom bisherigen Pächter getrennt und der neue, erst 24-jährige Küchenchef Jonas Posselt verspricht Qualität: „Unser erklärtes Ziel ist eine Haube.“ Chefin Jenny Nowotny legt nach. Man werde sich „vom Rest der Haubenrestaurants in Salzburg“ abheben: „Wir werden das beste Preis-Leistungsverhältnis in der Region anbieten.“

Die Glückspiel-Gesellschaft investiert, der Schock des Jahres 2010, als man erstmals Verlust machte, der wirkt. Daraufhin stieg der Umsatz 2015 auf 311 Millionen Euro, wovon 20 Millionen Gewinn blieben. Der eigene VIP-Raum für Super-Reiche in Wien spielt pro Stunde bis zu 56.000 Euro ein, den Scheichs sei Dank. Dagegen fiel Salzburg ab: nur 22 Millionen Umsatz im Jahr, da müssten weitere fünf Millionen möglich sein. Neue Besucher sind vor allem über eine neue Attraktion zu gewinnen: ein Mahl, das des wunderschönen Schlosses würdig ist.
Eine „Nacht der Lust“ eröffnete nach dem Umbau. Was frivol klingt, fußt auf Tradition: schließlich ist das Schloss Klessheim nach 1700 als Lustschloss „Favorita“ errichtet worden. Geplant vom Barockbaumeister Fischer von Erlach nur als Gloriette, als hübscher Blickfang am Horizont, der Palast sollte unten an der Saalach entstehen, Vorbild Schönbrunn. Daraus wurde nichts. Die Nazis nahmen dann Klessheim in Beschlag stellten Adler an den Eingang und gruben einen Führerbunker, der heute noch gruseln kann. Glücksspiel galt jahrhundertelang als ehrlos – aber wenn nun der Staat alles selber organisiert, in einem historischen Schloß, dann hat das Sache  etwas Prickelndes. 48 Prozent der Besucher sind Frauen.

Der Vorkoster vergibt: 13 von 20 Punkten

Und wie sehr prickelt das Mahl? Der Preis ist attraktiv: 38 Euro für fünf Gänge plus 2,30 fürs Gedeck, das ist wenig für Salzburg. Schinken vom Hirsch eröffnete, saftig und würzig, begleitet von Käse und Rhabarber – der Koch traut sich, kräftige Aromen einzusetzen. Alternativ gab’s Lachstatar, ordentliche Qualität, samt intensivem Paprikamousse. Spargelsuppe kam, nicht mehl- oder rahmschwer, sondern leicht, die Stangen von süß bis bitter abbildend. Gut, das Erdbeersorbet geht besser. Aber das Rindersteak zeigte rosa Klasse und der Spargel war in Orangensaft gegart, was ihm eine fruchtige Note mitgab. Alternativ das Goldbrassen-Filet geriet ordentlich. Hübsch zum Schluss die Komposition aus Erdbeeren, Topfen, Rhabarber. Der Lockvogel singt haubenwürdig.

Auch das Restaurant schien dem Vorkoster entstaubt. Noch immer tafelt man in hohen Räumen, Frauen könnten auch mit meterhohen Barock-Frisuren nirgends anstreifen. Aber ins Schloss ist spürbar neuer Schwung eingekehrt. Die Casino-AG lockt mit Gutscheinen und Rabatten nach dem Mahl an die Spieltische – dem Vorkoster gefiel, dass man kann, aber nicht muss. Auch wer nur isst, hat einen attraktiven Abend erlebt.

BILD: CASINO SALZBURG

BILD: CASINO SALZBURG

Casino Salzburg
Schloss Klessheim, 5071 Wals.
Tel. 0662/854455-185000

Der Vorkoster

Mister Vorkoster! Er  testet anonym die Gastronomie – und gibt unbestechliche Urteile ab.  Exklusiv im „Fenster“.

Die Bewertungskriterien:
Unsere Punktewertung orientiert sich an internationalen Regeln: 20 Punkte sind der Höchstwert.  9 Punkte und darunter: Kost mit groben Mängeln. 10 Punkte: deutliche Mängel. 11 Punkte: durchschnittliche Kost. 12 Punkte: gute Kost. 13 und 14 Punkte (eine Haube): sehr gute Kost. 15 und mehr Punkte (zwei bis vier Hauben): exzellente Kost.

Titelfoto: Marco Riebler