Gehweg-Gacki

Radfahrer betrachten Autofahrer gerne als Problem … Umwelt, Platzverbrauch und, und, und. Und vom Rad aus sieht man das alles auch völlig richtig, denn die am Rad haben recht. Immer. Na gut, nicht vor dem Gesetz, aber das erwischt uns ja nicht, weil wir davonflitzen. Genauer besehen aber sind die im Auto nicht das erste Problem beim städtischen Cruisen. Es sind Fußgänger.

Bei den Autofahrern ist ohnehin mit großer Gewissheit davon auszugehen (ich weiß es genau, ich fahre selbst Auto), dass sie sich aus ihrer Komfortzone hinter dem Lenkrad nur selten hinausdenken in die Wirklichkeit der Schwächeren im Verkehr. Bei Fußgängern hingegen möchte man annehmen, dass sie schon aufgrund ihrer Langsamkeit sehen können, wo sie gehen. Viele beweisen allerdings das Gegenteil, indem sie Fuß- und Radweg nicht unterscheiden. Schilder? Egal! Bodenmarkierungen? Wurscht!     Und dann regen sie sich auf. Wie kürzlich der Mann mit dem Hund.

„Was machen S’ denn da mit dem Rad“, raunzt  er auf der Staatsbrücke, Südseite, dort, wo Rad- und Gehweg ausgewiesen sind. „Fahren“, sage ich und rolle brav auf der Radwegseite. „Aber sicher ned da, da geht man“, sagt er und nutzt die Aufregpause, damit sein Hund in Ruhe ein Häuferl machen kann.

Man muss den Mann, auch wenn er falschliegt, schon ein bisserl verstehen. Oft können nämlich weder Fußgänger noch Radfahrer etwas für die Verwirrung. Der in dieser Stadt besonders ausgeprägte Irrsinn, Radwege und Fußwege sich schneiden zu lassen, sie parallel laufen zu lassen, ohne sie markant voneinander abzugrenzen, erzeugt gefährliche Verwirrung. Dafür können Radler wie Fußgänger nichts. Das ist nämlich keine Frage der Fortbewegungsart oder der Geschwindigkeit. Es ist eine Frage von Politik, Verkehrsplanung oder Ignoranz. Dass der Hund sein Gackerl eh auf der richtigen, also der Gehwegseite abgelegt hat, macht diese Sache auch nicht besser.

Bernhard Flieher ist Kulturredakteur der „Salzburger Nachrichten“ und  schreibt auch einen Radblog auf www.salzburg.com.