Rustikal? War einmal! Das junge Paar baut auf Holz

Ein helles, modernes, funktionales Haus wollte Silke Lemmerer. Ihr Lebensgefährte Michael Schörghofer einen Holzmassivbau. Geht das zusammen? Ja! In Kuchl haben sich die beiden ihren Wohntraum erfüllt. Am Anfang herrschte bei Silke Lemmerer Skepsis. „Für mich hatte ein Holzhaus immer diesen Hütten-Touch. Rustikal, dunkel, urig, drückend“, erzählt sie. Ihr Partner war hingegen von Beginn an Feuer und Flamme für den Holzmassivbau. Der 33-jährige Kuchler kommt nämlich aus der Schiene Holz. Vor einigen Jahren hat er sich mit einem Planungsbüro selbstständig gemacht. Klar, dass er sein Traumhaus selbst entworfen hat. Wenn man Büro und Wohnung unter einem Dach hat, muss man sich schließlich wohlfühlen.

Ihr Bungalow in Kuchl ist ein Niedrigenergiehaus und barrierefrei. Er besticht durch klare Formen und lichtdurchflutete Räume. Jedes Zimmer des rund 200 Quadratmeter großen Hauses führt auf die Terrasse, die Glasfassade holt das traumhafte Bergpanorama samt Tennengebirge und Hohem Göll direkt in die modern gestaltete Wohnküche. Beim Betreten des Hauses begrüßt einen ein zarter Duft nach Wald. „Ich lehne mich gerne gegen Wände, und die sind bei Holz natürlich warm. Das Raumklima ist echt angenehm. Unsere Gäste sagen immer, bei uns hat es so eine angenehme, warme Luft“, schwärmt Silke Lemmerer heute, ein halbes Jahr nach dem Einzug. Alle Skepsis ist  längst verflogen.

 

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Silke Lemmerer und Michael Schörghofer in ihrem Traumhaus. Foto: Suchanek

Modern und heimelig

Dass modernes Design und heimelige Atmosphäre kein Widerspruch sein müssen, zeigt die Innenraumgestaltung: Die Wände sind glatt geschliffen und mit einer Lasur samt UV-Blocker eingelassen, das verhindert das natürliche Nachdunkeln des Holzes. Man könnte die Oberfläche auch gebürstet wählen, dann hat sie mehr Struktur. Wer’s ganz rau will, der setzt auf „sägerau“, weiß Michael Schörghofer. Ist einmal ein Fleck auf der Wand, lässt sich dieser im Unterschied zu verputzten Wänden leicht entfernen: „Man muss einfach immer ein Schleifpapier dabeihaben“, lacht der Hausherr.

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Foto: SF / Suchanek

Die barrierefreie Bauweise sei nicht nur dem Blick aufs Alter geschuldet: „Bei kleinen Kindern muss man nicht fürchten, dass sie die Stiege runterfallen.“  Fürchten muss er sich auch nicht vor der Stromrechnung. Als Niedrigenergiehaus mit Photovoltaikanlage konzipiert, belaufen sich die Betriebskosten (ohne Wasser) auf 900 Euro im Jahr. „So viel haben wir vorher in unserer 50-Quadratmeter-Wohnung gezahlt.“

Holz im Vormarsch

Als ökologischer Baustoff hat Holz klare Vorzüge. Ein Argument für den Holzbau liefern auch die hohen Grundstückspreise: „Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus spare ich mir durch die dünneren Wände 12 bis 15 Quadratmeter. Das ist ein Kinderzimmer“, rechnet Michael Schörghofer vor. Natürlich müsse man Holz dort einsetzen, wo es sinnvoll sei.  „Alle Elemente, die mit Feuchtigkeit in Berührung kommen, würde ich aus Beton machen, etwa bei einem Hanghaus.“ Auch beim Schallschutz sei Vorsicht geboten, da Holzwände akustisch durchlässiger sind – da braucht’s halt einen guten Architekten.

Den Trend hin zum Holzbau bestätigt Otmar Bachler vom Verein  proHolz. Jedes dritte private Gebäude in Salzburg werde bereits aus Holz gebaut (laut Studie von proHolz, Holzcluster und Boku Wien). Der gesamte Holzbauanteil im Bundesland ist von 17 Prozent (1998) auf 29 Prozent im Jahr 2013 gestiegen. Auch Schörghofer sieht die Zukunft  klar im Holzbau, schon 90 Prozent seiner Aufträge stammen aus dem Bereich. Das Holz ist in der Mitte der Häuslbauer angekommen.

Von Petra Suchanek

Daten & Fakten

  • Holz – ökologisch und trendig: Jedes dritte private Gebäude in Salzburg  wird mittlerweile in Holzbau errichtet, bezogen auf das Bauwerksvolumen (laut  Holzbaustudie  der Boku Wien).
  • Preisvergleich: Holz vs. Ziegel Ein  Holzmassivhaus ist  bei der Anschaffung um 3 bis 5% teurer als ein Ziegelbau – rechnet man die Vorteile  mit ein (größere Nutzfläche durch dünnere Wände, kürzere Bauzeit, energieeffizient, kaum Entsorgungskosten), halten sich die Kosten allerdings die Waage.
  • Energieausweis: Holz hat bessere Werte als Ziegel (wichtig für Wohnbauförderung!).
  • Design: Qualität, Machbarkeit, Design  haben sich stark verbessert – der Preis vergünstigt.
  • Naturprodukt: Bauen mit Holz  verringert den CO2-Ausstoß,  schafft gutes Raumklima,  stärkt die lokale Holzwirtschaft