Wir haben den Bier-Europameister gefunden

Wer wird Bier-Europameister? Vier tapfere Fenster-Redakteure haben sich „erbarmt“ und das beste Craft-Bier Europas gekürt.

Jahrzehntelang genügte es, eine Sorte Bier zu Hause zu haben. Damit kommt man heute  nicht mehr durch. Wer etwas auf sich hält, trinkt Craft-Biere. Abgestimmt auf den Anlass, passend zum Essen. Craft-Bier ist der neue Wein. Nur cooler. Dafür greifen viele auch tiefer in die Geldbörse. Zu Recht? Dieser Frage sind wir nachgegangen.

Christine Keil begrüßt die vier Tester des SF im Bottle Shop am Mirabellplatz. Sie und ihr Mann Ronald haben  rund 400 Sorten im Angebot. Sie setzen nicht auf Standard-Craft-Biere (ja, auch diese Kategorie  gibt es), sondern auf  Spezialitäten und Exoten. Passend zur nahen Fußball-Europameisterschaft haben die Keils Biere ausgesucht, die  später im Blindverkostungs-Wettstreit ihre Herkunftsländer vertreten werden.

Erst gibt es noch einige Worte zur Etikette. Ein gepflegtes Craft-Bier will schließlich würdevoll genossen werden – am besten aus einem speziell geschwungenen Bier- oder aus dem Weinglas. So können sich die Aromen voll entfalten. Getrunken wird  auch anders  als um zwei  Uhr morgens im Bierzelt. Farbe beobachten, riechen, bewusst einen Schluck nehmen, das Bier  im Mund zirkulieren lassen, sodass die Zunge beidseitig bedeckt ist. Auf diese Vorgehensweise schwört zumindest Ronald Keil.

 

Das Match war hart, aber fair: Der Bier-EM-Sieger heißt Island

Endlich werden die Biere aufgetragen. Das erste  entlockt den Herren der Schöpfung fachkundige  Kommentare –  „hopfig“, „bestimmt ein Stout“, „obergärig“. Ob etwas davon stimmt? Keil schmunzelt still in seinen Bart.

Nummer zwei schmeckt ganz anders, leichter, weniger herb. Die Kollegin ist begeistert. Frauen komme der Trend generell entgegen, sagt Christine Keil. Gerade stark gehopfte Biere, wie Pale Ales, treffen den Geschmack der weiblichen Zielgruppe.

Von Grapefruit bis Espresso, von Honig bis Koriander – nach neun Testrunden haben wir eine Vorstellung, was man aus einem Bier alles herausschmecken kann. Die Bewertung verläuft dennoch recht  gleichförmig, nur die Dame in der Runde schert da und dort aus. Den Aufstieg unter die Top 4 schaffen  die Vertreter aus Deutschland, Island, Wales und Österreich. Langsam kommt echte EURO-Stimmung auf.

Die bisherigen Biere hatten zwischen 4,4 und 8 Volumsprozent Alkohol. Der Weltrekord  liegt  bei 41 Prozent. Name: „Sink the Bismarck“. Preis: knapp 60 Euro. Für ein Seidel. Da Craft-Biere nach dem Motto „weniger Menge, aber mehr Genuss“ getrunken werden, sind die Tester aber  noch durchaus fit. Da ist sogar verschmerzbar, dass uns Punktgleichheit zwischen den zwei Besten  zu einer Ehrenrunde zwingt. Dieses finale „Elfmeterschießen“ verläuft überraschend einseitig und endet mit  4:0. Der Verlierer ist nicht, wie der gelernte Fußballfan  erwarten würde,  England, sondern – Österreich (Brauerei Bevog,  TAK Pale Ale). Nun ist es an der Zeit, den  Europameister von seiner  Hülle aus Zeitungspapier zu befreien: Es ist Island! Zum Erfolg geführt hat die Nordländer die Brauerei Einstök mit ihrem Icelandic White Ale.

Trotz des aus patriotischer Sicht unglücklichen Endes hat der Abend  Sympathien für die Craft-Bier-Bewegung geweckt. Auch wenn nicht jedes Gebräu den  Geschmack trifft,  in der Vielfalt verbergen sich  Schätze, die es rechtfertigen, der Stammmarke auch einmal untreu zu werden.

Von Michael Minichberger

Fotos: Marco Riebler (oben) und Matthias Petry

Island ist unser Bier-Europameister. Jetzt sind Sie gefragt! Schicken Sie uns ein Foto mit Ihrem Lieblingsbier und gewinnen Sie ein Sechsertragerl „Einstöck“ aus dem Bottle Shop Salzburg.

 

Hier nochmal alle Teilnehmer der Bier-EM im Überblick:

  • Der Bier-EM-Sieger: Icelandic White Ale, Brauerei Einstöck. Kostnotiz: leicht gelb-trübe Farbe, fruchtig-süß. Speiseempfehlung: Asiatisch, Fisch, Salat.
  • 2. Platz: Österreich: TAK Pale Ale, Brauerei Bevog.
  • 3. Platz: Wales: Fubar – Brauerei Tiny Rebel
  • Belgien: La Chouffe Blond, Brasserie d Achouffe
  • England: Organic Honey Dew, Fullers
  • Österreich: Kramah IPA, Brauerei Bevog
  • Island: Icelandic Pale Ale, Brauerei Einstöck.
  • Italien: Reale, Birra del Borgo