„Vor der Morgenröte“ mit Josef Hader

Handlung.

Stefan Zweig sah sich 1934 nach der Machtergreifung der Nazis gezwungen, seine Salzburger Heimat zu verlassen. Seine Flucht führte ihn zuerst nach London und Paris, später nach Brasilien. „Vor der Morgenröte“ erzählt in Episoden von den letzten Jahren Zweigs im Exil. Der Film beginnt mit einem Empfang des brasilianischen Außenministers zu Ehren Zweigs  1936. Einen Monat später nimmt Zweig am Schriftstellerkongress in Buenos Aires teil. Hierbei irritiert er Journalisten mit seiner Weigerung, das Hitler-Regime zu verurteilen. Der Intellektuelle, so Zweig, solle sich seinem Werk widmen, das sei sein Bereich von größter Einflussnahme. Weitere Stationen sind das winterliche New York  1941 und schließlich Petrópolis, wo sich Zweig mit Gattin Lotte im Februar 1942 das Leben nimmt.

Inszenierung.

„Vor der Morgenröte“ beeindruckt durch grandiose Landschaftsaufnahmen. Zweig spricht im Film vom „tropischen Semmering“. Die Kamera ist in wichtigen Momenten oft statisch und lenkt dadurch die Aufmerksamkeit mehr auf Dialoge und Schauspiel. Josef Hader, der gern schrullig-schräge Figuren spielt, überrascht mit einer zurückhaltenden wie glaubwürdigen Darstellung des zerrissenen Zweig.

Botschaft.

„Wer keine Heimat hat, hat auch keine Zukunft“, wird ein altes brasilianisches Sprichwort zitiert. Trotz der großen Gastfreundschaft, die ihm in Brasilien zuteilwurde, hat Zweig den durch das Exil ausgelösten Bruch in seiner Biografie nie überwunden.

Der bewegendste Moment.

Der Selbstmord im Epilog. Die Kamera beobachtet einzig die Reaktionen der Freunde und des Personals sowie die Arbeit der Polizei. Nur in einem kurzen Moment sieht man in einem Spiegel das tote Ehepaar Zweig auf dem Bett liegend. Irgendwann liest einer Zweigs Abschiedsbrief vor.

Fazit.

„Vor der Morgenröte“ ist ein sympathisch unprätentiöses  Biopic, das brisante Fragen über die Rolle des Schriftstellers in politisch schwierigen Zeiten stellt.

Helmut Hollerweger

Zur Salzburg-Premiere am 2. Juni (20 Uhr) im „Das Kino“ ist Regisseurin Maria Schrader anwesend.