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SF35/09 Männerspielplatz und Alice Schwarzer von Daniela Strasser |  |
Wie wird reagiert, wenn Frauen Opfer von Diskriminierung und sexueller Belästigung werden? Allzu oft noch auf schäbige Weise: schamhaft verschweigen, verharmlosen, kalmieren. Die Fälle als veraltet abtun und von aktuellen Dunkelziffern reden, die praktisch gar nicht existieren, oder Vorfälle als „Aufbauschen“ bezeichnen – wie kürzlich im Zusammenhang mit Vorwürfen an der Uni Salzburg geschehen. Man muss für die jungen Frauen ein Klima schaffen, in dem sich so mancher Lehrende davor fürchten muss, sich einen Übergriff zu leisten. Und nicht umgekehrt.
Von Männern kann man in puncto Gegenwehr noch eine ganze Menge lernen. Denn wie reagieren die Herren, wenn sie sich benachteiligt fühlen? Sie klagen beim Verfassungsgerichtshof wegen der Summe von 20 Euro, weil sie beim Eintritt ins Fußballstadion tiefer ins Börsel greifen müssen als Frauen, die man mit niedrigeren Ticketpreisen ins Stadion locken wollte. Ergo fühlt sich der Herr Fan diskriminiert.
Beleidigte Adamsjünger schaffen sich einen „Männerspielplatz“, auf dem sie im Schlamm mit Gokarts umherdüsen und ganz Held sein dürfen (Bericht im ORF-Report) und auf dem Frauen nur zugelassen sind, um das glorreiche Ereignis im Bild festzuhalten. Und sie organisieren sich in der Männerpartei, die darüber klagt, dass „alles für die Frauen geschieht, aber nichts für die Männer“. Angefangen bei der Ungerechtigkeit beim Militärdienst, dem höheren Pensionsantrittsalter und der himmelschreienden Ungerechtigkeit bei den Seniorentarifen der Öffis: erst ab dem Alter von 65 für die Rentner, aber ab 60 für die Rentnerinnen. Dies alles angesichts der Tatsache, dass die Hascherl – statistisch – auch noch früher das Zeitliche segnen, so der Jammer der Betroffenen. Zwei Drittel der Beschwerden bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft erfolgen mittlerweile von Männern. Ja, so macht Mann das: klagt, organisiert sich und verschafft sich Öffentlichkeit.
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Erfreulicher ist es dagegen, der Pionierin im Feminismus im deutschsprachigen Raum zu lauschen. Alice Schwarzer war in einer deutschen Talk-Sendung zu Gast. Die Publizistin und Emma-Herausgeberin ist eine von 60 porträtierten Frauen in dem neuen Werk „Ihrer Zeit voraus. Frauen verändern die Welt“ von ZDF-Anchorwoman Petra Gerster und Co-Autorin Andrea Stoll (cbj, 288 Seiten, rund 25 Euro). Die Frauen-Darstellungen reichen von Kleopatra bis zu Merkel.
Schwarzer erzählte ruhig und unaufgeregt aus der Frauenbewegung. Und wie wichtig der Einsatz für deren Anliegen nach wie vor ist. Benachteiligung ist kein uralter Zopf: So sei es Mitte der Siebzigerjahre von Gesetzes wegen noch möglich gewesen, dass „ein Mann zum Arbeitgeber seiner Frau ging und sein Veto gegen ihre Berufstätigkeit einlegte, weil sie ihre Hausarbeit wegen des Jobs vernachlässige“, so schilderte Schwarzer. Auch zur Eröffnung eines eigenen Bankkontos benötigte eine Frau die Zustimmung ihres Mannes.
Reichlich gebe es zu tun für die Zukunft: die Lohnschere zu schließen, mehr Frauen in Top-Jobs zu bringen und die Betreuung besser zu regeln. Und hin und wieder an die guten, alten Emanzen zu erinnern.
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