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SF10/08 Rosa - (k)ein Engel von Daniela Strasser |  |
 Rosa Kerschbaumer-Putjata in jungen Jahren: die erste praktizierende Ärztin in Österreich, in einer Augenklinik in der Schwarzstraße. / Foto: ORF | „Ich will auch studieren.“ Mit diesem Satz beginnt die Karriere einer der berühmtesten Salzburgerinnen des 19. Jahrhunderts: Rosa Kerschbaumer-Putjata, die damit ihrer Schwester Virginia nacheifert, die bereits vor ihr ein Medizinstudium absolvierte.
Spät, aber doch, erinnert sich Salzburg nun der prominente Ahnin mit Weltruf. Es wird künftig eine Rosa-Kerschbaumer-Straße in Salzburg geben, in der Science City im Stadtteil Itzling.
Die gebürtige Russin wird am Ende des 19. Jahrhunderts zur Pionierin: Die erste praktizierende Ärztin in Österreich. Mit einer Sondererlaubnis von Kaiser Franz Josef wird der Medizinerin ab 1890 gestattet, die Augenheilkunde auszuüben und die erste private Augenheilanstalt in Salzburg (Schwarzstraße) zu leiten, gemeinsam mit ihrem Mann (ebenfalls Mediziner).
Die Ärztin ordiniert, forscht und operiert in Salzburg schon zu einem Zeitpunkt, zu dem Frauen der Zugang zum Medizinstudium noch verwehrt bleibt. Erst zehn Jahre später erfolgte der Durchbruch, die Zulassung zum Studium für Frauen in Österreich.
Salzburg wies damals die höchste Zahl an Blinden in der gesamten Habsburger-Monarchie auf. Denn es fehlte an Fachärzten. Zu einem „Engel“ wird Rosa Kerschbaumer vor allem für die Armen. Ihnen leistete die dreifache Mutter (bereits mit 18 gebar sie das erste Kind) kostenlos ihre medizinische Hilfe. Die Medizin-Pionierin war eine „schillernde, widersprüchliche, sehr durchschlagskräftige Frau im Beruf.“ So schildert ORF-Redakteurin Brigitta Walkner jene Frau, auf deren historische Spuren sich die Journalistin gemeinsam und (mühevoll) mit der Salzburger Stadtarchiv-Historikerin Sabine Veits-Falk begeben hat. Dokumente belegen, dass vor allem Rosa Kerschbaumer in der Klinik schuftete, während ihr Mann seine Privatambulanz betrieb und „die nachmittägliche Visite“ hielt.
Als „Soufragette“ ist die Medizinerin nicht einzuordnen, aber sie trat durchaus Pfade für Nachfolgerinnen. Sie machte sich für Frauen im Medizinstudium stark und für eigene Frauenärztinnen.
1896 verließ sie Salzburg, behandelte tausende Menschen entlang der Transsibirischen Eisenbahn. Sie war „auf ihre Weise eine Besessene“, so ORF-Redakteurin Walkner. Im Alter von 60 Jahren wanderte Kerschbaumer in die USA aus und starb dort 1923.
| Das beeindruckende Porträt ist am kommenden Ostersonntag, 23. März, um 18.25 Uhr in einem Österreichbild aus dem Landesstudio Salzburg zu sehen (Kamera: Franz Schwaighofer, Franz Reichl, Schnitt: Claudia Nessizius). |
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