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SF05/10
Gute "Badgirls"

von Daniela Strasser

Man lese und staune, aber der gute, alte Feminismus ist für junge Menschen tatsächlich noch ein Thema. Der Satz „Ich bin eine Feministin“ zählt ja heutzutage schon zum verpönten Vokabular. Frauenanliegen sollten tunlichst nicht mehr wie in den 70ern mit Kampfansage daherkommen.
Aber in Salzburg herrscht jetzt so richtig Girlpower: Die jungen SozialistInnen (auch Burschen sind am Projekt beteiligt) wollen den Feminismus wiederbeleben und haben eine annähernd zeitgemäße Kampagne gestartet. Ein neues Image braucht er, mehr sexy soll er sein, der junge Feminismus. Ein gemixtes Team präsentiert sich im aktuellen Videoclip „badgirl“ (www.badgirl.at), in Anlehnung an das Nestor-Buch „Die Badgirl-Feministin“, das einen amüsanten Info-Schnellkurs zum Thema bietet, ohne dass man ein Gender-Studium zum besseren Verständnis absolvieren muss.
Sind Feministinnen „bad“, also böse, nur weil sie konsequent Forderungen für das eigene Geschlecht stellen? Das werde „leider oft noch so betrachtet“, sagt Projektleiterin Julia Rafetseder. Man wolle dieser Haltung entgegen wirken und vor allem die Botschaft überbringen, dass Feminismus nichts mit „Böse sein“ und Optik zu tun habe (die jungen Damen sehen aus wie jedefrau). Sondern dass sich eine Denkweise dahinter verberge, die sich sowohl aus linken wie auch konservativen Kreisen im 19. Jahrhundert gebildet habe.
Feministin zu sein, heiße: gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu fordern, sich für ein unabhängiges, selbst bestimmtes Leben einzusetzen, das sich auf alle gesellschaftlichen Belange erstreckt. Zentrale Forderung müsse die finanzielle Unabhängigkeit sein; Frauen sollten alle persönlichen Ziele erreichen können, beruflich, politisch und privat, so die ehrgeizige und weitreichende Wunschliste der jungen Leute. Wichtiges Detail: Es gehe nicht darum, Männer zu hassen, sondern um Gleichstellung.
Man stellt sich bei der Kampagne also Fragen wie folgt: Wie sehen Feministinnen aus? Braucht man den Feminismus noch? Gibt es auch Feminist-en? Wann ist eine Frau ein badgirl? Unbesiegbar, cool, selbstbewusst, stark, mutig, zuversichtlich und auch einmal frech oder schwach: so sehen sich die jungen Damen, typisch für ihr Alter. Feministinnen haben laut Videobotschaft auch den „besseren Sex“, aber das ist wohl wieder eine andere Geschichte.
Braucht man ihn also noch, den guten, alten Feminismus? Ja, so die jungen Leute, „solange bis Frauen fair verdienen“ und auch „ganze Männer Halbe-Halbe machen“ (sagt ein Mann im Spot). Man ist auch „stolz auf die Vorkämpferinnen“ für die Frauensache. Und: Auch ein Mann kann Feminist sein, bekennt ein Adamsjünger etwas schüchtern im Clip (Wir freuen uns schon sehr darauf, dann einmal einen im Alltag zu treffen).
Die Kampagne von der Projektchefin zusammen gefasst: „Die größte Gefahr für die Gleichberechtigung ist der Mythos, wir hätten sie schon erreicht.“ Völlig d’accord, junge Frau.

 
E-Mail:d.strasser@salzburger-fenster.at


 

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