Werbung:
|
Home > Vorkoster >
| 15 Punkte
|
 Hofmarkt 44 in Goldegg |
Ein Experiment – sozial wie kulinarisch. Im „Hofmark[t] 44“ in Goldegg treffen sich Menschen zum Essen, Trinken und Reden. Man kann den Raum auch als Gruppe bis zu zehn Personen mieten, aber interessanter ist es natürlich, wenn sich dort wildfremde Leute einfinden und gemeinsam einen Abend am großen Eichentisch verbringen. Auf die Teller kommt Hausmannskost – jedenfalls das, was ein exzellenter Koch dafür ausgibt.
Hofmark 44 ist die Adresse eines alten Hauses gegenüber vom Hotel „Seehof“ in Goldegg, der von Susi und Sepp Schellhorn geführt wird. Die beiden haben heuer das Gebäude erworben und liebevoll hergerichtet. Allein im Erdgeschoss waren einmal drei Mini-Geschäfte untergebracht, Trafik, Nahversorger, Antiquitätenladen. Heute stehen rund um den großen Esstisch die Regale mit Produkten aus der „Seehof“-Küche, etikettiert jeweils mit einem vom Peter Baldinger gezeichneten Hinterkopf: eingelegte Steinpilze, Bratlfett, Ketchup. Deshalb den Name Hofmarkt. Aus einem alten Automaten kann man sich eine „Mannerschnitte“ drücken und aus großen Gläsern diverse Zuckerl um 10 Cent nehmen. Dazu spielt die Musikbox um 50 Cent Schlager aus den Sechziger und Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Retro? Natürlich. Sepp Schellhorn fährt jetzt im Dezember tagsüber weniger in die Stadt Salzburg zu seinen Lokalen „M 32“ auf dem Mönchsberg und „Spoon“, dafür häufiger in die Skistation „Angertal 1680“ bei Bad Hofgastein. Abends dann kocht er selber im Goldegger „Seehof“. Dazu macht er Lobby-Arbeit als Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung. Ein Mann ohne Ruhetag. Und doch und vielleicht gerade deshalb ist ihm das Essen, Trinken, Reden im „Hofmark[t] 44“ ein Anliegen: als Besinnen auf Werte wie Gemeinsamkeit, die er verschwinden sieht.
Für uns war es ein Vergnügen, ins Reden zu kommen mit einem Handwerker samt Tochter, mit einem Steuerberater aus dem Pongau und einem Hotelier aus Vorarlberg. Gespräche über die Dinge des Lebens, auch des Labens, weil ja zwischendurch Wein ausgeschenkt wurde und das Essen kam.
Sepp Schellhorn selbst trug die dampfenden Gerichte in Kupferpfannen über die Straße. Als es zuvor um die Entscheidung gegangen war, Innereien oder Fisch, hatte der Vorkoster einen Moment der Zerrissenheit erlebt, sich aber doch gegen die Omega-Fettsäuren-Gesundheit entschieden und für die Cholesterin-Bomben die Hand gehoben. Und jetzt schaute er sehnsuchtsvoll dem Huchen nach, der zum Nachbarn kam – die Gier ist etwas Schreckliches. Unsere Reise „Einmal quer durchs Kalb“ begann mit Bries und Kopf, beide gebacken auf Salat: sehr mollig, sehr schön. Hirn folgte, klassisch mit Ei, so sanft wirkend, dass die Steinpilze am Schüsselrand brillieren konnten. Aber dann ließ es Schellhorn krachen: Die Leber war nur innen zart, außen röstig und badend im dichtesten Bratensaft. Ein Genuss, der durch warmen Gurkensalat noch gesteigert wurde. Wie die Geschmacksfülle entstehe, fragte der Vorkoster zwischen zwei Happen. „Kein Jus, nur Kräuter, Bratensaft und ein wenig Butter – die Witzigmann-Wörther-Schule“, verwies Schellhorn auf seine Wurzeln. Herz kam, wieder so intensiv, begleitet von mildem Erdäpfelpüree und von Ochsenherzkarotten, ihrer Vasen-Form wegen so benannt – großes Gemüse mit großem Aroma. Noch einmal mit Püree wurden die Nieren gereicht, ein Stück gebraten im Fettmantel, eines sautiert. Vorzüglich. Ein wenig erschöpft schon ließen wir Löffel und Gabel durch die Dessertlandschaft wandern, wunderbar dabei eine Feigentarte, alles gestaltet von Chefpatissiere Planberger. Übrigens beträgt der Menüpreis, der Hausnummer gemäß, 44 Euro.
Wir hatten uns den Luxus geleistet, ein Zimmer im „Seehof“ zu nehmen. Das ist ein altes Haus, gelüftet vom Wind der Moderne. Wir fühlten und verwöhnt durch höchst aufmerksame Betreuung. Leider konnten wir dem angenehmen Frühstück nicht die gebührende Beachtung schenken, wegen der Kalorien vom Vorabend.
Wieso nicht? Wieso nicht bei einem Mahl auch Diskutieren und Argumentieren mit Menschen, die man dabei und dadurch erst kennenlernt? Es tat gut. Das Essen selber ist absolut risikolos: Sepp Schellhorn erreicht überall, wo er selber kocht, seine zwei Hauben.
Endlich mal wieder ein Experiment.
Seehof und Hofmark[t] 44
5622 Goldegg
Tel. 06415-81370
www.seehof-goldegg.com
geöffnet wieder ab 5. Dezember |
| |
|
[ Seite weiterempfehlen | Seite zu Favoriten hinzufügen | Druckversion ]
|
| NEU: SF-Hauptblatt und SF-magazin jeweils als E-Paper in der Printversion. |
 |
 |


|