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SF42/09 Gasthof Steinbrünning in Bayern
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12 Punkte
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 Gasthof Steinbrünning |
Dialog Vorkosterin/Vorkoster. „Weißt du überhaupt, wie das Wirtshaus heißt?“ „Nein, aber ich glaube nicht, dass es zwei gibt in Steinbrünning“. Wir folgen einem Tipp: Gasthof neu übernommen von zwei jungen Leuten, richtig gutes Essen, Koch im „Pfefferschiff“ gearbeitet. Da wir gerade in der Gegend sind, fahren wir vor-vorkosten. Anschauen, ein wenig probieren. Im schlechtesten Fall droht ein mäßiges Mahl und einer unserer Spione muss als unverlässlich ausgeschieden werden. Bestenfalls winkt ein attraktives Wirtshaus – und das ist ein Risiko wert.
Steinbrünning thront zwischen Freilassing und Laufen auf einem Hügelkamm, hinter dem sich der Boden senkt bis zum Abtsdorfer See. Längst bildet die Handvoll Häuser keine Gemeinde mehr, gehört zu Saaldorf-Surheim. Berühmt ist die Kirche zum Heiligen Johann-Baptist, einst salzburgisch, 1273 entstanden aus einer Burg. Der Burggraben ist heute noch wassergefüllt, im Sommer blühen idyllisch die Seerosen. Unser Ziel ist übrigens als „Gasthof Steinbrünning“ nicht zu verfehlen. Alt auch er, errichtet um 1570 als „Hofmarkswirt“, wie eine Tafel berichtet. Von der Terrasse aus reicht der Blick bis Untersberg und Tennengebirge.
Draußen hängt die Karte, schwungvoll handgeschrieben, und nennt die Namen der jungen Leute: Maria Petz und Karl Krolokh. Die Küchentür steht offen, der Raum wirkt blitzsauber und gut gelüftet, der Koch platziert Teller auf dem „Pass“ – unter zwei Wärmelampen. Ungewöhnlich für ein Wirtshaus. Am Sonntag zu Mittag brodelt die Stube. Eine Riege junger Damen steht an der Schank. Nein, wir hatten nicht reserviert und fanden gerade noch Platz am Stammtisch, zu einem Paar dazu. Der Vorkoster schaute auf große gerahmte Fotos von Musikkapelle, Jägergruppe und Schnalzerpass. Ländliches Bayern. Die vife Kellnerin hingegen sprach reines Hochdeutsch und glänzte mit grünen Sternchen auf den Fingernägeln und kunstvollen Tatoos an den Armen.
Klein die Karte, aber interessant. Die Kartoffelsuppe zeigt rahmige Intensität, oben schwimmen Croutons, unten gründeln aromaspendene Speckfleckerl. Überbackene Artischocken waren leider schon aus, Rehragout kam stattdessen, helle und dunkle Sauce, parfümiert mit Zimt, erstaunlich zart das Fleisch, die Polentataler ein wenig zu braun angebraten. Mit guten Kohlsprossen, die auch auf der Karte so heißen und nicht Rosenkohl, wie in Bayern üblich. Das Haxerl von der Gans bringt saftiges Fleisch, sämig die Sauce, fast exotisch das Blaukraut. Die Beerensulz zum Schluss ist hübsch fruchtig geraten samt einem formidablen Zitronensorbet. Die Preise: für Salzburger im Durchschnitt, für Bayern etwas erhöht – und trotzdem sind die 36 Plätze in der Stube belegt. Ja, das wird ein Tipp für die Vorkoster-Kolumne.
Beim Herausgehen ein kleiner Schwatz durch die offene Küchentür. Die Wärmelampen stammen vom Lagerhaus, lacht Krolokh, gedacht für die Ferkelaufzucht, billiger als aus dem Gastronomie-Fachgeschäft. Intelligenter Bursche.
Test an einem Freitagabend. Dieses Mal gut besucht, aber nicht ausverkauft. Als Küchengruß kamen erstklassige Linsen mit gebratener Garnele. Wie geht der Koch mit Fisch um? Souverän. Tatar von der Räucherforelle (e 7,50) ist mit Rahm unterlegt, aber nicht zugedeckt, das Aroma wird runder. Die Zanderfilets (e 10,80) haben einen lauwarmen Erdäpfel-Lauch-Salat als Liegefläche. Die grünölige Kürbissuppe (e 4,70) sieht sich von einer Frischkäse-Bavese geschmückt. Die Kaninchenkeule
(e 13,90) gerät wegen ihres dunkel-würzigen Fleisches in Hasen-Verdacht, wieder überzeugte der Bratensaft. Der Lammrücken (e 14,20) bietet zartes, aromatisches Fleisch und schöne Thymiansauce samt frischst-bissfesten Bohnen.
Attraktiven Schafskäse (e 6,20) gibt es zum Nachtisch, die Damen zogen Süßes vor: eine Schoko-Millefeuille (e 5,20) samt Kiwi-Ragout und Vanilleeis oder gebackenen Gries (e 5,90) – tadellos.
Für ein bayerisches Wirtshaus gibt es hier tadellosen Wein. Wir haben das sizilianische Gut Catuj entdeckt, das einen tiefdunklen, kraftstrotzenden Shiraz macht: ein toller Roter zu dunklem Fleisch.
Zwei junge Leute erhalten dem Weiler Steinbrünning mit seinen Vereinen das Gasthaus samt Stammtisch: durch gutes Essen. Einiges war haubenverdächtig – die Küche ist sicher die beste der Gegend.
Danke Spion, guter Tipp.
Gasthof Steinbrünning,
83416 Saaldorf-Surheim,
Steinbrünning 30,
Tel. 0049/8682/396,
Montag Ruhetag. |
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