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SF41/09
"Hubertushof" in Anif



13 Punkte


Hubertushof in Anif
Hubertushof in Anif

Beginnen wir im nördlichen Flachgau. Diesen Sommer noch hatte der Vorkoster im Gasthof „Kienberg“ gegessen – sehr gut übrigens. Die Sonne schien, die Stuben waren gut gefüllt. Wenige Wochen später nur las er die Nachricht auf der Homepage des Betriebes: „Wir haben unseren Pachtvertrag nicht mehr verlängert und der Betrieb ist seit 23. August geschlossen“. Nach acht Jahren gaben Karin und Harald Huber auf. Schade. In kalten, schneereichen Wintern lag ihr Haus recht einschichtig zwischen Neumarkt und Henndorf. Blieb vor allem die Frage, was machen die zwei jetzt, ein Serviceprofi und ein Küchenchef, der immerhin eine Ausbildung im „Pfefferschiff“ vorweisen kann.
Anfang November kam die Antwort: „Hubertushof“. Der liegt sehr verkehrsgünstig in Neu-Anif, direkt an der Autobahnausfahrt Salzburg-Süd. Und ist auch sonst das Gegenteil eines lauschigen Lokals in grüner Idylle. Zwar im Stil auch ländlich gehalten, wie man das halt in den Achtziger Jahren schick fand: viel schweres, geschnitztes Holz, grob gefugte Natursteine – als gelte es, eine Schutzhütte in 3000 Meter Höhe zu errichten. Wie aber ein Blick auf den großen Parkplatz zeigt, frequentiert weniger von Ausflüglern, mehr von berufsbedingten Vielfahrern im Außendienst. Und innen zeigen sich viele, viele Tische bereit für einen Massenansturm.
Wie passen Koch und Ort zusammen? Auf den ersten Blick also gar nicht. Ältere Gäste jedoch erinnern sich an manch gutes Mahl hier. Was am Patron Max Leikermoser liegt. Er ist der leisere der beiden Brüder. Franz Leikermoser gegenüber nimmt einflussreich teil an der Anifer Ortspolitik, leitet einen Mineralölhandel plus mehrere Tankstellen. Auch Max schenkt gekonnt aus, aber nicht Benzin an Autos, sondern Wein an seine Gäste. Im „Hubertushof“ konnte man schon die guten Güter kennenlernen, als das noch nicht Standard war in Salzburg. Zum erstklassigen Keller kam die Investition in erstklassige Küche – so lautete wohl der Plan.
Harald Huber ist einer, der Saucen kann. Eine Fähigkeit, die jeder Feinschmecker bewundert, denn bei einem gelungenen Gericht finden sich die Aromen reduziert, die Harmonie konzentriert im Saft oder Sud auf dem Tellerboden. Die Sauce ist die Seele einer Speise. Nun braucht ihre Fertigung zum Können auch die nötige Zeit. Die es gibt in einer kleinen Küche – aber, wie kommt der Neue klar im „Hubertushof“, der keinen Ruhetag kennt, der an unserem Abend Raucher- wie Nichtraucherstuben gut gefüllt hatte? Angenehm bei dem Andrang: Leikermoser spart nicht am Servicepersonal, mischt sich auch selber unter die Kellnerinnen und Kellner.
Das Menü über vier Gänge wird um 29 Euro angeboten, löblich. Als Start kam ein Rexglasl, gefüllt mit einer Wildmousse, fein und erstaunlich leicht, dazu ein orangendominiertes Rotkraut, erfreulich. In der folgenden Suppe schwangen ein Unterton aus Maroni und ein Oberton aus Sellerie, ein hübsches Experiment. Hirschmedaillons traten auf, wunderbar zart und doch aromatisch, begleitet von Gnocchi und Pfefferzwetschken. Und einer formidablen Sauce, man spürte den Spezialisten. Mandarinen parfümierten zum Schluss einen fruchtigen Pudding samt Honignüssen, Sauerrahm-Eis bot kühlen Kontrast.
Von der Karte lockte uns eine würzige Entenbrust mit Sellerie-Canneloni (e 10,20) und wiederum einer interessanten Sauce. An der Frischlingskeule (e 17,10) fiel auf, wie viel besser doch das Fleisch des wilden Bruders schmeckt im Vergleich zum gezüchteten im Stall. Hier hatte Huber Hagebutten genommen, den Bratensaft österreichisch fruchtig zu versüßen. Die Portionen zeigten Umfang, die Vorkosterin nahm sich zum Dessert nur ein Glas Süßwein vom Kracher (e 4,90). Fürs Mahl hatten wir einen alten Bekannten gewählt, einen Morellino di Scansano 2003 „Le Pupille“, der elegante Bruder des Chianti. Sofort dekantiert, erwies sich der Rote als gescheiter Begleiter zum Wild. Ein guter Keller zeichnet sich dadurch aus, dass er reifere Jahrgänge bietet als der Weinhändler gerade verkauft.
Was Küchenchef Harald Huber gelungen ist: Die Qualität des Landgasthofes „Kienberg“ auf den ungleich größeren „Hubertushof“ zu übertragen. Die Haube vom Vorkoster.
Ist ja auch gut, wenn mehr Gäste in diesen Genuss kommen.

Hubertushof
Alpenstraße 110
5081 Anif
Tel. 06246-8970
www.hubertushof-anif.at
 


 

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